Interpol-Datenbank
Gestohlene Pässe: Schweizer Flughäfen fingen 310 Passagiere ab

Noch immer gleichen viele Länder die Passagierlisten nicht mit der Interpol-Datenbank ab. Eine Ausreise mit gestohlen oder verloren gemeldeten Reisedokumenten wie in Malaysia ist hierzulande laut dem Bund ausgeschlossen.

Lorenz Honegger
Drucken
Teilen
Mit dem Abgleich bei der Interpol-Datenbank bleiben die meisten Reisenden mit gestohelenen Papier hängen.

Mit dem Abgleich bei der Interpol-Datenbank bleiben die meisten Reisenden mit gestohelenen Papier hängen.

Keystone

Der Fall der verschollenen Boeing 777-200 der Malaysia Airlines wirft ein Schlaglicht auf eine weitverbreitete Sicherheitslücke. Viele Länder, so auch Malaysia, gleichen die Papiere ihrer Fluggäste noch immer nicht mit der Datenbank für verlorene und gestohlene Reisedokumente der internationalen Polizeiorganisation Interpol ab.

Zwei Passagiere des verschwundenen Jets checkten am Flughafen von Kuala Lumpur mit europäischen Reisedokumenten ein, die vor einem Jahr respektive vor zwei Jahren in Thailand als gestohlen gemeldet worden waren.

Interpol-Generalsekretär Ronald K. Noble sprach diese Woche von einer Situation, von der man gehofft habe, dass sie nie eintreffen würde. Noble kritisierte, wenn Malaysia die Dokumente seiner Fluggäste mit der Datenbank abgleichen würde, müsste man nicht spekulieren, ob es sich bei den zwei Männern um Terroristen gehandelt habe. Alleine im letzten Jahr hätten Passagiere weltweit mehr als eine Milliarde Mal ein Flugzeug betreten, ohne dass ihre Papiere überprüft worden seien.

Schweiz überprüft alle Dokumente

In der Schweiz ist eine Ausreise mit gestohlenen oder verlorenen Reisedokumenten laut dem Bundesamt für Migration (BFM) undenkbar: Die Flughäfen gleichen sämtliche Pässe, Identitätskarten und Visa bei Ein- und Ausreisen über die Schengen-Aussengrenze automatisch mit Interpol ab. «Sofern solche Ausweise als gestohlen ausgeschrieben sind, besteht eine sehr grosse Wahrscheinlichkeit, dass sie im Rahmen der Grenzkontrolle entdeckt werden», sagt BFM-Kommunikationschefin Gaby Szöllösy auf Anfrage der «Nordwestschweiz».

2013 registrierte Interpol knapp 800 Millionen Abfragen; 17,2 Millionen davon kamen aus der Schweiz. So konnten Grenzbeamte an helvetischen Flughäfen in 310 Fällen Passagiere mit verloren oder gestohlen gemeldeten Papieren anhalten. Global waren es knapp 70 000.

Bei einem Grossteil der schwarzen Schafe handelt es sich laut Bundesamt für Polizei (Fedpol) jedoch nicht um Kriminelle, sondern um Personen, die ihre Reisedokumente als verschollen gemeldet und dann wieder gefunden haben - ohne dies den Behörden zu melden.

Vorab-Info bei Risikodestinationen

Dem Bundesrat ist viel daran gelegen, das Kontrollnetz an den Flughäfen noch engmaschiger zu spannen. Nächsten Mittwoch debattiert der Ständerat über eine Teilrevision des Ausländergesetzes, die dieses Ziel verfolgt: Das BFM soll eine solide rechtliche Grundlage erhalten, um bei Flügen aus Risikodestinationen wie Dubai, Nairobi oder Pristina von den Fluggesellschaften vorab die Passagierlisten zu verlangen und diese mit den einschlägigen Datenbanken abzugleichen. Heute ist dies aus Datenschutzgründen erst in begrenztem Ausmass möglich. Mit der Gesetzesänderung sollen die Fluggesellschaften in Zukunft zudem noch strikter an ihre Kontrollpflicht gebunden werden.

Aktuelle Nachrichten