Nationalfeiertag
Gerölllawine, umgestürzte Bäume und Hagel – heftiges Gewitter zog über die Schweiz

Nach dem rekordheissen Nationalfeiertag sind am Abend und in der Nacht auf Mittwoch heftige Gewitter über die Schweiz gebraust. Die Böenspitzen erreichten bis zu 170 km/h. In Eschenz TG fiel innert zehn Minuten soviel Regen wie noch nie.

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Ein Blitz schlug in dieses Haus im Appenzell ein.

Ein Blitz schlug in dieses Haus im Appenzell ein.

Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden

Trotz der hochsommerlichen Temperaturen dürfte die eine oder andere 1.-August-Feier dieses Jahr ins Wasser gefallen sein. Am Abend zog ein Gewitter über die Schweiz, teilweise mit Hagel und massiven Sturmböen.

Bei Derborence im Kanton Wallis wurden drei Autos auf einer Bergstrasse von einer Gerölllawine verschüttet. Ein Sprecher der Kantonspolizei Wallis bestätigte auf Anfrage eine Meldung von «20 Minuten». Verletzt wurde beim Vorfall niemand.

Ein starker Hagelsturm zog über Winterthur hinweg:

In Eschenz TG fiel innert zehn Minuten soviel Regen wie noch nie. Mit 34 Litern pro Quadratmeter wurde der bisherige Rekord von 33,6 Litern aus dem Tessin egalisiert, wie SRF Meteo am Mittwoch mitteilte. Auch windmässig liess sich das Gewitter nicht lumpen: Besonders vom Nordjura bis an den oberen Bodensee waren die Orkanböen heftig.

Wie MeteoNews mass, wehte es nicht etwa in den Bergen am heftigsten, sondern im relativ tiefgelegenen Marthalen ZH mit 170 km/h. In Leibstadt AG waren es Spitzen von 134 km/h.

Blitz setzte Haus in Brand

Im Kanton Appenzell Ausserrhoden setzte ein Blitz in Wienacht-Tobel ein Einfamilienhaus in Vollbrand. Die Einsatzkräfte rückten mit 75 Personen an und brachten das Feuer rasch unter Kontrolle.

Ein Blitz schlug in dieses Haus im Appenzell ein.

Ein Blitz schlug in dieses Haus im Appenzell ein.

Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden

Während beim Brand gemäss Polizeimitteilung niemand verletzt wurde, hatte ein Appenzeller Rollerfahrer weniger Glück: Während des Gewitters wurde er von einem Ast getroffen. Er zog sich eine Hirnerschütterung sowie Hand- und Schulterverletzungen zu.

In Visp VS geriet am selben Abend eine 33-Jährige unter einen umstürzenden Baum. Sie war mit ihrem einjährigen Sohn auf einem Spaziergang. Während die Mutter Rückenverletzungen davontrug, blieb das Kind unverletzt. Die Frau aus Eritrea musste ins Inselspital nach Bern transportiert werden. In Sitten wurde eine Person durch einen abgebrochenen Ast leicht verletzt.

Baum auf Dach gestürzt

Glück im Unglück hatten die Bewohner eines Hauses in Uzwil SG. Ein Baum ist am Dienstagabend auf das Dach gestürzt. Gemäss Angaben der Kantonspolizei St.Gallen wurde dabei niemand verletzt. Hauptsächlich mussten entwurzelte Bäume von den Strassen entfernt werden.

In Obwalden gingen bei der Polizei am Abend rund 50 bis 100 Anrufe wegen Schäden ein, wie ein Sprecher der Kantonspolizei erklärte. Betroffen waren hauptsächlich die Gemeinden Giswil, Sarnen und Lungern. Wasser drang in mehrere Gebäude ein. Zudem stürzten mehrere Bäume um.

In Langnau im Emmental, in Schüpfheim LU sowie in Sitten und Engelberg wurden gemäss SRF Meteo Windgeschwindigkeiten von mehr als 90 Kilometer pro Stunde gemessen. Kräftiger Regen fiel unter anderem in Kandersteg BE und Giswil OW, wo in kürzester Zeit 20 Millimeter Regen niedergingen.

Ein Blitzschlag legte am Dienstagabend die Zugstrecke zwischen Belp und Seftigen im Kanton Bern lahm. Die Linie Luzern – Interlaken Ost war wegen eines umgestürzten Baumes unterbrochen.

Auch das Zürcher Limmattal blieb nicht vom Unwetter verschont: Gegen Abend regnete es in Dietikon so stark, dass die Unterführung der Überlandstrasse unter Wasser war. Während einzelne Autofahrer vor der Unterführung umkehrten, kämpften sich die meisten durch die Wassermassen:

Hitzewarnung und grosse Schäden

Aufgrund des Hagels ging der Versicherer Axa Winterthur von 1500 Schadenmeldungen an Fahrzeugen aus. Das dürfte 4,5 Millionen Franken kosten. Für die Betroffenen eröffnet die Versicherung am 11. September in Seuzach ZH ein Hagel-Drive-in. Die meisten Schäden gab es in der Region Winterthur. Im Wallis beschädigte der Hagel Rebberge.

Viele Schweizer liessen sich den Nationalfeiertag trotz wechselhaftem Wetter nicht verderben:

Ein Mädchen schwenkt die Schweizerfahne an der Bundesfeier in der Gemeinde Fischenthal (ZH).
7 Bilder
In der Gemeinde Fischenthal gab es eines der grössten Höhenfeuer der Schweiz zu bestaunen.
Traditionelles Feuerwerk in Montreux.

Ein Mädchen schwenkt die Schweizerfahne an der Bundesfeier in der Gemeinde Fischenthal (ZH).

Keystone

(sda/amü/nch)