Bombendrohungen
Gerichtspsychiater: «Sie wollen Aufmerksamkeit erregen»

Vier Bombendrohungen haben diese Woche die Polizei auf Trab gehalten. Bei allen handelte es sich um Fehlalarme. Dass sich diese Täter rächen wollten, glaubt der Luzerner Gerichtspsychiater Andreas Frei nicht.

Barbara Stäbler
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In der Migros Langendorf ist gestern eine Bombendrohung eingegangen. (Archiv)

In der Migros Langendorf ist gestern eine Bombendrohung eingegangen. (Archiv)

AZ

Herr Frei, was veranlasst Menschen dazu, Bombendrohungen auszusprechen?

Frei: «Echte» Bombenleger wollen ihre Forderungen durchsetzen. Bei den vier Fällen in dieser Woche handelt es sich jedoch um Menschen, die in erster Linie Aufmerksamkeit erregen wollten.

Was sind das für Menschen?

Denkbar ist, dass Jugendliche oder junge Erwachsene Schabernack treiben wollten und sich der Konsequenzen nicht bewusst waren. Freude an Aufregung und Chaos könnte ein weiteres Motiv sein.

Haben Sie eine Erklärung für die Häufung von Bombendrohungen in dieser Woche?

Frei: Nein. Aber wenn Medien vermehrt darüber berichten, sind natürlich Nachahmungstäter nicht auszuschliessen.

Dann könnten die Bombendrohungen am Montag in Brig VS und Martigny VS die beiden Täter inspiriert haben, die am Donnerstag Drohungen im solothurnischen Langendorf und in Genf lancierten?

Das ist durchaus möglich.

Müssen sich die Medien vermehrt Gedanken darüber machen, ob sie überhaupt noch über solche Ereignisse berichten wollen?

Nicht darüber zu berichten, ist in der heutigen Zeit ja fast nicht mehr möglich. In unserer medialisierten Welt gehören spektakuläre Ereignisse zum Risiko unserer vernetzten Gesellschaft.

Wir müssen also mit solchen unerfreulichen Ereignissen leben?

Ja, leider. Es bedeutet eine Einschränkung der Lebensqualität für viele Leute. Gerade bei Drohungen gegen Unternehmen wie jene am Donnerstag gegen das Westschweizer Fernsehen. Es sind die Mitarbeitenden, die in erster Linie darunter leiden.

Wie sollen die Medien mit solchen Ereignissen umgehen?

Die Suizidforschung empfiehlt, möglichst klein, unspektakulär und unattraktiv über Suizide zu berichten. Das wäre ein Ansatz für die Berichterstattung bei Bombendrohungen. Zudem könnten die Medien auf die dadurch verursachten Kosten und die drohende strafrechtliche Verfolgung hinweisen. Das könnte vielleicht einige Jugendliche davon abhalten. (sda)

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