Nackt-Selfies
Geri Müllers Beichte und Befreiungsschlag: «Schäme mich» – aber er will bleiben

An einer Medienkonferenz hat Geri Müller Stellung genommen zur Affäre um die Nackt-Selfies. Er entschuldige sich, er schäme sich, seine dunkle Seite sei zum Vorschein gekommen. Aber Müller möchte Stadtammann bleiben, wenn das Vertrauen noch da sei.

Pirmin Kramer
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Geri Müller (l.) mit seinem Anwalt. (Auftritt 2014)
22 Bilder
Geri Müller stellt sich in Zürich der Presse – und alle Medien kommen.
Geri Müller tritt an der Medienkonferenz auf.
Rund 50 Journalisten sind vor Ort.
Geri Müller geht in die Brasserie Lipp.
Der Medientross im Spiegel der Brasserie Lipp.
Geri Müller nimmt Stellung zur Selfie-Affäre
Geri Müller nimmt vor den Medien Stellung zur Selfie-Affäre
Viele Journalisten verfolgen den Auftritt von Geri Müller
Müller entschuldigt sich bei allen, die er enttäuscht und verletzt hat
Geri Müller vor der Brasserie Lipp in Zürich.
Geri Müller mit seinem Anwalt Meili
Geri Müller stellt sich in Zürich der Presse – und alle Medien kommen.

Geri Müller (l.) mit seinem Anwalt. (Auftritt 2014)

Keystone

Müller legte vor rund 50 Medienleuten detailliert dar, wie es zu dieser anfänglich virtuellen Beziehung mit einer 33-jährigen Frau kam. Anfangen habe alles als Buchprojekt über erotische Fantasien, welche diese Frau schreiben wollte. Es habe sich nie um eine körperliche Liebesbeziehung gehandelt, sagte Müller.

20 Minuten publiziert falsche Altersangabe

Das Onlineportal 20 Minuten gibt zu, bei der Berichterstattung über die Geri-Müller-Affäre einen Fehler gemacht zu haben: Im ersten Artikel, der am Sonntag zum Fall Geri Müller publiziert wurde, wurde die Chat-Bekanntschaft fälschlicherweise als 21 Jahre alt beschrieben. In der "Schweiz am Sonntag", die den Fall publik gemacht hatte, gab es keine Altersangabe zur Frau. Geri Müller sagte am Dienstag an der Medienkonferenz, die Frau sei 33 Jahre alt.

Dann habe die Sache immer skurrilere Züge angenommen. Teilweise habe ihm die Frau bis zu 30 SMS pro Tag geschickt. Deshalb habe er die Sache abbrechen wollen. Dies habe die Frau als Abbruch einer Liebesbeziehung verstanden mit der Veröffentlichung des Chats gedroht. Er habe einen Rechtsanwalt eingeschaltet und später im Kanton Bern eine Strafanzeige wegen Nötigung eingereicht.

«Ich habe mich vor der ganzen Welt geschämt»

Er habe sich nur noch geschämt, als er von der Geschichte in der "Schweiz am Sonntag" erfahren habe, sagte Müller - "geschämt vor mir, vor meiner Partnerin, meiner Stadt, die ich über alles liebe, vor der ganzen Welt und auch vor Ihnen".

Geri-Story offenbar auch anderen Medien angeboten

Angebot offenbar auch an andere MedienOffenbar war die Geschichte mit Müllers Nacktbildern auch anderen Medien angeboten worden. So äusserten sich jedenfalls "Weltwoche"-Chefredaktor Roger Köppel und "Blick"-Chefredaktor René Lüchinger gegenüber der Branchenplattform persoenlich.com. Köppel spricht von einer "unappetitlichen Story" - die Hintergründe für den Verzicht auf eine Publikation sollen in der nächsten Ausgabe der "Weltwoche" zu lesen sein. Der "Blick" hat die Geschichte laut Lüchinger unter anderem deshalb nicht publiziert, weil die Zeugenlage nicht einwandfrei zu klären war und die Affäre vom Persönlichkeitsschutz her ein Grenzfall ist.

Mülller bezeichnete sich als einfacher Landjunge, der es sehr weit gebracht hat. Er habe in seinem Leben überdurchschnittlich viele gute Sachen geleistet, aber auch eine falsche.

Der fragwürdige Chat mit der 33-jährigen Frau tue ihm leid - vor allem gegenüber seinen Mitarbeiterinnen. Mit ihnen werde er versuchen, das Gespräch zu suchen, meinte der Grünen-Nationalrat und Stadtammann von Baden AG.

Seine Arbeitszeit liege im Bereich zwischen 5 Uhr morgens und 2 Uhr nachts. In dieser Zeit tätige er manchmal auch private Dinge. Deshalb könne nicht gesagt werden, dass er die Fotos während der Arbeitszeit verschickt habe.

"Meine dunkle Seite zum Vorschein gekommen"

Er wolle nicht sagen, die Frau sei Schuld und er das Opfer: "Ich habe Sachen gemacht, die ich von mir nicht kenne, die ich als meine Schwäche bezeichne und tief bereue." Es tue ihm ausserordentlich leid, dass er durch sein persönliches Verhalten Menschen enttäuscht und verletzt habe.

Hier sei eine dunkle Seite an ihm zum Vorschein gekommen. Und obwohl sie nur einen kleinen Teil von ihm ausmache, stehe seine dunkle Seite jetzt im Licht der Weltöffentlichkeit.

Der Liveticker zum Nachlesen vom Anfang bis zum Schluss:

So reagieren die Grünen Schweiz

Grünen-Co-Präsidentin Regula Rytz ist "froh, dass Geri Müller vor den Medien seine Sicht erläutert und klargestellt hat, dass es sich um einen privaten Beziehungskonflikt handelt". Dies sagte Rytz zur sda. Ebenso sei sie froh, dass der Vorwurf der Beeinflussung der Polizei vom Tisch sei.

Weiter habe er sich für sein Verhalten und für seine Fehler entschuldigt. Rytz hofft, dass die Bevölkerung die Entschuldigung akzeptiert und dass alle wieder zum politischen Alltag zurückkehren können.

Die Frage, ob die Grünen Schweiz Müller als Nationalrat noch unterstützen, stelle sich nicht, sagte Rytz - er sei von der Kantonalpartei aufgestellt worden: "Für uns steht nun vielmehr die Frage im Raum, was solche privaten Beziehungskonflikte und private Daten in den Medien zu suchen haben."

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