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Schweiz
Ab und zu fühlt sich Gerhard Pfister von den Medien unverstanden. Umso erfreuter reagierte der 54-jährige CVP-Chef gestern, am Tag nach den Walliser Wahlen, auf die Interviewanfrage. Doch ist seine Partei wirklich die grosse Siegerin? Und freut er sich überhaupt über den Erfolg von Christophe Darbellay?
Gerhard Pfister: Ganz klar die Freude. Denn die Verluste im Grossrat waren absehbar: Das Oberwallis, in dem die CVP traditionell stärker verankert ist, musste vier Sitze ans Unterwallis abgeben, zudem wurde das Wahlsystem für uns unvorteilhaft abgeändert. Dass unsere drei Kandidaten ungefährdet durch den ersten Wahlgang marschieren würden, hätte ich hingegen nicht gedacht.
... und wir sind nach wie vor die mit Abstand stärkste Kraft im Wallis.
Die Mehrheit zu verlieren, war eine schmerzhafte Zäsur – aber eine, die uns gutgetan hat. Die Walliser CVP war gezwungen, ihr Profil zu schärfen. Nun hat sie ihren Wähleranteil auf sehr hohem Niveau stabilisieren können. Und in der Regierung wünschen die Walliser offensichtlich, dass die CVP weiterhin die Mehrheit behält.
Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung? Ich hatte zu keinem Zeitpunkt gravierende Differenzen mit Christophe Darbellay. Er hat einen hervorragenden Wahlkampf absolviert und sich sein Abschneiden redlich verdient. Ich freue mich sehr für ihn.
Nein. Den CVP-Erfolg haben sich unsere Leute selbst erarbeitet. Ich bin überzeugt: Ohne Freysingers Störmanöver hätten wir noch besser abgeschnitten.
Es ist der CVP-Basis und mir wichtig, unsere Werte zu verteidigen. Von Freysinger unterscheidet mich aber eine ganze Menge.
Bei Freysinger ist vieles eine Stilfrage, ja.
Die beiden Regierungsräte Roland Fürst und Roland Heim machen sehr gute Arbeit, ich zweifle nicht an ihrer Wiederwahl. Im Kantonsrat erhoffe ich mir, den Wähleranteil und die 22 Mandate zumindest halten zu können. Die lokalen CVP-Sektionen führen einen engagierteren, besseren Wahlkampf als vor vier Jahren – wir sind zurück auf den Strassen.
Die CVP-Aktie hat noch Potenzial nach oben.
Wenn Sie die nackten Zahlen betrachten, haben wir den Turnaround tatsächlich noch nicht geschafft. Doch die verbesserten Strukturen, die wir intern geschaffen haben, geben viel Anlass zu Hoffnung.
Die kantonalen Wahlen vom vergangenen Herbst kamen zu früh: Die wenigen Monate, die ich damals im Amt war, genügten, um einen Prozess in Gang zu setzen. Nicht aber, um bereits Erträge zu ernten. Deshalb taugen die Wahlen von 2017 besser als Gradmesser als die letztjährigen. Bereits bereiten wir zudem die kantonalen Wahlgänge des nächsten Jahres vor.
Unbedingt. Jeder Börsenguru rät, einzusteigen, wenn der Preis tief ist. Und ich kann Ihnen versichern: In der CVP herrscht Aufbruchstimmung. Erstmals seit Jahren spüre ich bei der Basis wieder Stolz, zu dieser Partei zu gehören.
Ich glaubte nie, dass die bei den eidgenössischen Wahlen im Herbst 2015 entstandene bürgerliche Mehrheit zur Blockbildung führen und CVP, FDP und SVP gemeinsam durchmarschieren würden. Die Schweiz funktioniert mit wechselnden Allianzen. Und das ist gut so.
Ich warnte aber auch, dass die Linke zur grossen Gewinnerin werden würde, wenn unsere Zusammenarbeit nicht funktioniert.
Nicht gut genug. Und wenn wir mal wie bei der Unternehmenssteuerreform ähnlicher Meinung sind, lassen wir das Fingerspitzengefühl vermissen. In einer direkten Demokratie müssen Vorlagen ausgewogen sein, wenn sie an der Urne bestehen wollen. Daran wurden wir vor einem Monat schonungslos erinnert.