Tierschutz
Gequälte Schweizer Hühner? Bauernchef Ritter widerspricht

Tierschützer prangern die Haltung von Hühnern in Schweizer Massenbetrieben an. Bauernpräsident und CVP-Nationalrat Markus Ritter nimmt die Landwirte in Schutz und kritisiert die Studie der Tierschützer.

Pascal Ritter
Merken
Drucken
Teilen
Bauernpräsident Markus Ritter posiert zu Hause in Altstätten SG. (Archiv)

Bauernpräsident Markus Ritter posiert zu Hause in Altstätten SG. (Archiv)

Keystone

Herr Ritter, wie geht es den Tieren auf Ihrem Hof?

Markus Ritter: Denen geht es sehr gut. Unser Tagesablauf ist von den Bedürfnissen der Tiere bestimmt: Füttern, Melken, Misten. Ich hatte nie Probleme mit dem Tierschutz. Wir wollen den Tieren Sorge tragen. Die Schweiz ist ein Grasland, die Tierhaltung ist ein wichtiger Bestandteil unserer Landwirtschaft.

Die Zahl der Verstösse gegen die Tierschutzgesetze und -bestimmungen nehmen zu. Letztes Jahr gab es 2397 Verstösse.

Man muss das ernst nehmen. Bauern, die sich nicht an die Bestimmungen halten, müssen dies korrigieren. Aber man muss auch sehen: Bei vielen Anzeigen geht es um Bagatellfälle. Manchmal geht es um Millimeter, etwa wenn ein Stall oder eine Box zu klein ist oder eine Aufzeichnung fehlt. Die Flut an Bestimmungen ist auch im Tierschutzbereich gross.

Oberster Schweizer Landwirt

Der St. Galler CVP-Nationalrat Markus Ritter (50) ist als Bauer für 26 Milchkühe, 20 Stück Jungvieh, einige Schafe und Bienenvölker verantwortlich. Als Präsident des Bauernverbandes und Nationalrat ist er der mächtigste Landwirt im Land.

Die Zunahme der Verurteilungen hat auch mit einer erhöhten Sensibilität zu tun. Ist die Gesellschaft übersensibel?

In der Landwirtschaft werden die Verstösse meistens im Rahmen von angemeldeten oder unangemeldeten Kontrollen festgestellt. Die erhöhte Aufmerksamkeit trifft auch die Halter von Haustieren.

Sind die Vorgaben des Tierschutzes zu streng?

Wir pflegen einen regelmässigen Austausch mit den Tierschützern. Die Gesetze und Verordnungen in der Schweiz sind im Bereich des Tierschutzes streng, und das ist gut so. Zu Diskussionen führte in diesem Jahr vor allem der Vollzug, der in den Kantonen unterschiedlich gehandhabt wird.

Die Stiftung «Tier im Recht» hat ein Kantonsranking erstellt. Darin kommen Kantone, in denen wenige Tierschutzverfahren stattfanden, schlecht weg. Etwa der Aargau, Freiburg und Baselland. Wie beurteilen Sie das?

Wenige Strafverfahren in einem Kanton könnten auch auf eine gute Haltung der Tiere hinweisen. Darum sind solche Rankings mit Vorsicht zu geniessen. Ich möchte den Kantonen keine Vorschriften machen. Es braucht einen Mix aus sehr guter Beratung und Ausbildung sowie Kontrolle. Wie dieser Mix aussieht, müssen die kantonalen Behörden aufgrund der Situation selber entscheiden. Strafverfahren sind teuer und belastend für alle Beteiligten. Sie sollten das letzte Mittel sein.

Bei spektakulären Tierqualfällen scheint es zuweilen, als seien die Landwirte wegen sozialer Probleme überfordert.

Das ist nicht nur in der Landwirtschaft so, auch in der Heimtierhaltung: Soziale und gesundheitliche Probleme können dazu führen, dass Tiere vernachlässigt werden. Die kantonalen Bauernverbände unterstützen die Landwirte in solchen Fällen. Es ist wichtig, dass Menschen mit Problemen Unterstützung angeboten wird. Oftmals ist kein böser Wille vorhanden.

Die Stiftung «Tier im Recht» kritisiert die Haltung von Hühnern in der Schweiz. 27 Prozent der Tiere leben in Massenbetrieben von mehr als 12'000 Tieren. Das sei Tierquälerei.

Da bin ich überhaupt nicht einverstanden. Gerade bei der Hühnerhaltung ist die Schweiz in Sachen Tierschutz eine Pionierin. Wir haben seit 25 Jahren keine Käfighaltung mehr – in der EU ist dies heute noch zulässig. Die Hühner haben zur Bodenhaltung im Stall auch Wintergärten zur Verfügung – auf Biobetrieben auch mit Auslauf auf eine Weide. Die Hühnerhaltung ist sehr vorbildlich. Auch in der Pouletmästung haben wir eine sehr gute Situation. Gegenüber der EU haben wir eine Höchstbestandesverordnung. Dies ist gut so, denn wir wollen keine Massentierhaltung.

Lesen Sie auch: