In der georgischen Hauptstadt Tiflis hielten Staatschef Michail Saakaschwili und andere Regierungsmitglieder demonstrativ während der Schweigeminute ihre Hände aufs Herz, als die Nationalhymne ertönte, wie örtliche Fernsehsender zeigten.

In der abtrünnigen georgischen Provinz Südossetien wurde ebenfalls eine Schweigeminute eingehalten, anschliessend sprach der selbsternannte Präsident Eduard Kokojty. Er beschuldigte die georgischen Truppen, Verbrechen während der Kämpfe begangen zu haben.

"Viele westliche Politiker vergessen, dass Georgien die Auseinandersetzungen im vergangenen Jahr gestartet hat und wenden ihre Augen von den Verbrechen ab."

Der russische Präsident Dmitri Medwedew verteidigte in einem Fernsehinterview das Vorgehen Russlands vor einem Jahr. "Es war eine schwierige Sache, aber am Ende war es richtig."

Russland und Georgien hatten im August 2008 fünf Tage Krieg um die nach Unabhängigkeit strebende georgische Region Südossetien geführt. Dabei wurden mindestens 390 Zivilisten getötet.

Saakaschwili warf Russland hingegen vor, den Krieg um Südossetien angezettelt zu haben: "Man muss sagen, dass Russland angefangen hat." Die russische Führung habe mit dem Krieg versucht, "meine Regierung zu stürzen und die georgische Demokratie abzuwürgen".

Zum Jahrestag veröffentlichte die Führung in Tiflis einen Bericht mit klarer Schuldzuweisung an Russland.

Eine EU-Kommission unter der Leitung der Schweizer Diplomatin Heidi Tagliavini befasst sich mit der Frage. Eigentlich hätte sie ihren Bericht schon Ende Juli abliefern sollen. Der Abgabetermin wurde auf Ende September verschoben.

In bisherigen Entwürfen des Berichts wird der georgischen Regierung eine erhebliche Teil-Verantwortung für den Konflikt zugewiesen, sagten Diplomaten. Allerdings sei auch die Antwort Russlands auf das georgische Vorrücken nach Südossetien "unverhältnismässig" gewesen.