Die Jugend ist böse erwacht. Nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative spürt sie die Konsequenzen des Volksentscheides direkt: Das Forschungsprogramm Horizon 2020 und das Austauschprogramm Erasmus+ stehen auf dem Spiel. Nun revoltieren Genfer Jungparteien gegen das Volksverdikt.

Vertreter des Jungfreisinns, der Juso und der Jungen CVP haben ein Comités des jeunes gegründet und wollen zusammen eine Initiative lancieren, um die Personenfreizügigkeit mit der EU zu erhalten. «Wir wollen schnell handeln. Wir hoffen, dass spätestens in zwei Jahren über unsere Initiative abgestimmt wird. Und dass wir dann die Türen zu Europa offen lassen», erklärt der Jungfreisinnige Matthias Lanzoni, einer der Initianten.

Deutschschweizer einbeziehen

Diese Strategie amüsiert die Junge SVP in Genf. Gründer Xavier Schwitzguébel sieht nur negative Folgen: «Sie achten die direkte Demokratie nicht. Sie werden Wähler verlieren. Das wird vorteilhaft für uns sein», ist er sicher.

Der Schulterschluss der Jungparteien beginnt in der Calvin-Stadt, soll aber die ganze Schweiz erfassen. «Zahlreiche Personen der politischen und akademischen Welt haben positiv auf unsere Initiative reagiert», sagt Lanzoni. Die Jungpolitiker haben ihren Vorschlag den Vorständen der nationalen Mutterparteien unterbreitet. «Man muss die Kräfte zwischen den Romands und den Deutschschweizern bündeln», fügt er an.

«Ein nationaler Trauertag»

Auf eine andere Weise reagierten gestern junge Akademiker auf den Volksentscheid. Auf Initiative der Studentenvereinigung der Universität Neuenburg (FEN) versammelten sich gestern Abend auf dem Berner Bundesplatz die Unzufriedenen. «Unsere Aktion war symbolisch. Wir wollten weder die SVP noch den Bundesrat oder die EU angreifen», sagt Ivan Ordas Criado, Präsident der FEN. Andere Studentenorganisationen aus der West- und Deutschschweiz haben sich der Aktion angeschlossen. Die Studenten kleideten sich in Schwarz, um ihre Trauer zu inszenieren. Ausländische Medien wurden auf die Aktion aufmerksam. Criado hofft, dass die Veranstaltung zu einem besseren Image der Schweiz im Ausland beiträgt.