Genfer Gipfeltreffen
Wenn US-Präsident Biden kommt, muss die Katze Simba an die Leine

Heute landet der US-Präsident Joe Biden in Genf. Die Stadt ist aus dem Häuschen. Das freut nicht alle. Wir haben uns umgehört.

Nina Fargahi
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Die Anwohnerin Danielle Lachavanne vor dem Hotel Intercontinental.

Die Anwohnerin Danielle Lachavanne vor dem Hotel Intercontinental.

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Abgesperrte Strassen, viel Stacheldraht und gereizte Stimmung. Genf befindet sich kurz vor dem Treffen von US-Präsident Joe Biden mit seinem Amtskollegen Wladimir Putin im Ausnahmenzustand. Sogar der Jet d’eau, das Wahrzeichen der Stadt, soll länger wie üblich sein Wasser speien. Der Springbrunnen wird von fünf pensionierten Angestellten der Stadt im Turnus bedient. Einer von ihnen muss nun bis vier Uhr morgens wach bleiben, denn so lange soll der Jet d'eau als Kulisse herhalten für die amerikanischen Fernsehsender während ihrer Prime Time.

Auch sonst hat das Gipfeltreffen ungeahnte Auswirkungen auf den Alltag vieler Genfer. Da ist zum Beispiel Danielle Lachavanne, die seit 30 Jahren in einer Wohngenossenschaft gleich beim Hotel Intercontinental wohnt, wo der US-Präsident mit seiner Entourage absteigt. «Noch nie war das Sicherheitsaufgebot so hoch, nicht einmal beim Besuch von Arafat», sagt sie.

Ihr Mann wohne seit 60 Jahren hier, damals gab es das Hotel Intercontinental gar nicht. «Ich finde das Gebäude hässlich, aber es trifft offenbar den Geschmack der Staatschefs.» Es dürfte noch einen anderen Grund geben: Das Intercontinental lässt sich relativ problemlos absichern. Es liegt nicht am See, sondern wenige Minuten vom Flughafen entfernt. Der ganze Rummel setze ihr zu, überall wimmle es von Polizisten, Journalisten und Sicherheitsleuten, sagt Lachavanne.

Ihre Katze Simba muss sie neuerdings an die Leine nehmen; weil der nahe Park abgesperrt wurde, führen die Leute ihre Hunde nun in der Parzelle der Wohngenossenschaft spazieren. Das führe zu Spannungen zwischen den Hunden und Simba.

Hundeverbotsschilder werden angebracht

Ebenfalls aus diesem Grund ist ein anderer Anwohner der Genossenschaft gerade dabei, Hundeverbotsschilder anzubringen. «Dieses riesige Tamtam wird mit unseren Steuergeldern bezahlt», sagt er und schüttelt den Kopf. In Genf, so hat man den Eindruck, steht die grosse Politik in diesen Tagen eklatant im Widerspruch zu den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung.

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