Gemeindetageskarte
Gemeindetageskarten: Die Zeitvorgabe schränkt am meisten ein

Preisaufschlag um 15 Prozent und zeitliche Einschränkungen: Die SBB wollen die Bestimmungen der Gemeindetageskarten auf den Fahrplanwechsel hin ändern. Wie aber reagieren die Gemeinden darauf? Der Preis sei nicht matchentscheidend, umso mehr aber die beschränkte Zeitvorgabe.

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Christine Fürst

Laut den Tarifmassnahmen, die die SBB auf den Fahrplanwechsel am 11.Dezember dieses Jahres vornehmen wollen, kommen die Gemeindetageskarten schlecht weg. Noch kosten sie 35 bis 40 Franken, am Schalter kostet eine Tageskarte mit Halbtax 64 Franken. Auch mit der Verteuerung um 15 Prozent wären die Gemeindetageskarten billiger als diejenigen am SBB-Schalter. Gravierender ist aber die zeitliche Nutzungseinschränkung, denn die Gemeindetageskarte soll erst ab 9 Uhr, also nach den grossen Pendlerströmen und den vollen Zügen, gültig sein.

«Mir leuchtet ein, dass die SBB versuchen wollen, einen Teil der Passagiere auf andere Zeiten zu verlagern», so Michael Widmer, der Leiter der Gemeindekanzlei in Magden. Und weiter sagt er: «Das ist halt der Preis der immer grösser werdenden Mobilität.» Die Gemeinde Magden hat erst diesen Monat ihren Bestand von zwei auf vier Tageskarten erhöht. Dies ist nun für ein Jahr gültig. Widmer sieht dies als Vorteil, denn so habe die Gemeinde Magden die Möglichkeit, nach der Einführung der SBB-Massnahmen die Auslastung der Tageskarten zu beobachten und könne dann entscheiden, ob der Vierersatz erhalten bleiben oder gekürzt werden soll.

Die Uhrzeit schränkt am meisten ein

Vor allem die vorgegebene Uhrzeit sei eine grosse Einschränkung für die Passagiere, wie der Gemeindeschreiber von Möhlin, Dieter Vossen, betont. Er habe schon von vielen Seiten vernommen, dass vor allem die 9-Uhr-Vorgabe die Leute daran hindern würde, eine Tageskarte bei der Gemeinde zu reservieren. Der Preis wäre demnach nicht das grösste Problem.

Auch Gianni Profico, der Vertreter des Fricker Gemeindeschreibers, ist dieser Meinung: «Der Preis ist nicht matchentscheidend, denn wenn jemand einen Tagesausflug plant, will er nicht erst um 9 Uhr am Morgen in den Zug steigen.»

Die Gemeinde Möhlin vergibt seit dem letzten Dezember sechs Tageskarten, diese sind zu 95 Prozent ausgelastet. Denn schon ein Billett von Möhlin nach Zürich ohne Halbtax kostet rund 70 Franken, eine Tageskarte lohnt sich deshalb allemal und ist erst noch in der ganzen Schweiz gültig. «Die Tageskarten sind sehr gefragt, es ist aber durchaus möglich, dass wir aufgrund der Massnahmen der SBB den Bestand wieder runtersetzen müssen», so Dieter Vossen.

Dieser Aussage schliesst sich auch der Gemeindeschreiber von Laufenburg, Walter Marbot, an: «Ob diese Dienstleistung an die Bevölkerung noch angeboten werden kann, ist fraglich, dies wird sich dann aber auf politischer Ebene im Gemeinderat entscheiden.»

Die kleine Gemeinde Zuzgen bietet keine Tageskarten an, da eine zu kleine Auslastung befürchtet wird. «Ein solches Angebot wird auch in Zukunft kein Thema sein», so die Gemeindeschreiberin Renate Kaufmann. Sie hat aber schon eine Lösung parat: «Man kann ja als Zuzger auch in anderen Gemeinden Tageskarten beziehen.»

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