Gemeinderat: «Ferro nicht bevorzugt»

Um den Einzug des erfolgreichen Elektronikhändlers Digitec auf dem Ferro-Areal nicht zu gefährden, setzte der Wohler Gemeinderat alle Hebel in Bewegung. Für das Gremium ist dies aber keine Bevorzugung einer Firma, sondern «aktives Standortmarketing». Die Wohler Behörde weist die Kritik von Benno Kohli (FDP) zurück.

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Digitec

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Aargauer Zeitung

Fabian Hägler

Millionen-Projekt im vereinfachten Verfahren?

Benno Kohli störte sich insbesondere daran, dass der Gemeinderat das Baugesuch der Ferrowohlen AG - trotz Investitionssumme von 7,2 Mio. Fr. - als «geringfügig» bezeichnete. Dazu schreibt die Behörde: «Vereinfacht ausgedrückt, fanden Veränderungen statt, wie sie auch bei Unterhalt und Erneuerung eines Einfamilienhauses möglich sind.» Weil die Flächen und Volumen aber ungleich grösser seien, führe dies auch zu entsprechend hohen Frankenbeträgen. Laut dem Wohler Gemeinderat beschränkten sich die baulichen Massnahmen auf die Gebäudesanierung und den Werterhalt in einem Teilbereich der fünf alten Ferro-Hallen. Innerhalb des Areals seien zudem acht neue Rampen mit direkter Erschliessung erstellt worden. Weiter hält der Gemeinderat fest: «Das äussere Erscheinungsbild der Ferro-Hallen blieb unverändert, die gewerblich-industrielle Nutzung in der schon rechtskräftigen Industriezone ebenfalls.» Entscheidend für die Anwendung des vereinfachten Verfahrens bei der Baubewilligung: Laut dem Gemeinderat tangierte das Baugesuch für das neue Digitec-Lager «weder nachbarliche noch öffentliche Interessen». (fh)

«Wenn wir nicht innert nützlicher Frist hier hätten einziehen können, dann hätten wir den Standort Wohlen rasch abhaken müssen», sagte Marcel Dobler, Mitgründer von Digitec, bei der Eröffnung des neuen Logistikcenters im Juni dieses Jahres.

Für den Wohler Gemeinderat ein entscheidender Satz, der aufzeigt, wie wichtig sein Engagement für eine rasche Baubewilligung auf dem Ferro-Areal war. «Im Sinn eines aktiven Standortmarketings und einer angestrebten Initialzündung für die erwünschte wirtschaftliche Entwicklung des Ferrogeländes war es angezeigt, dass der Gemeinderat alle Hebel in Bewegung setzte und rasch handelte», ist die Behörde heute überzeugt.

Alles im gesetzlichen Rahmen

Benno Kohli, FDP-Einwohnerrat und Architekt, war bisher anderer Meinung. In einer kritischen Anfrage warf er dem Wohler Gemeinderat im Januar vor, die Ferrowohlen AG erhalte beim Digitec-Baugesuch eine Vorzugsbehandlung. Dagegen wehrt sich der Gemeinderat. «Es fand keine Bevorzugung gegenüber einfachen Baugesuchstellern statt», heisst es in der Antwort auf Kohlis Anfrage.

Grundsätzlich hält der Wohler Gemeinderat fest, sämtliche Aktionen hätten im Rahmen der Bau- und Nutzungsordnung und des Baugesetzes stattgefunden. Er hält fest, verglichen mit dem bewilligten Betrieb des früheren Stahlwerks der Ferrowohlen AG «wird der Verkehr deutlich geringer und die Emissionen werden wesentlich tiefer sein».

Kanalisationsgebühr entfällt

Auf die insgesamt 15 Fragen von Benno Kohli geht die Behörde detailliert ein. So wird unter anderem klar, dass der fehlende Energienachweis, den Kohli kritisiert hatte, im April dieses Jahres nachgeliefert wurde.

Ein weiterer Kritikpunkt des FDP-Ortspräsidenten betraf die späte Eingabe des Kanalisationsplans. «Letztlich erübrigte sich dieser Plan, weil aus der sanierten Halle lediglich Regenwasser anfällt, das in bestehenden Leitungen abgeführt wird», antwortet der Gemeinderat.

Da beim Digitec-Baugesuch keine Änderungen von Bruttogeschossfläche, Gebäudegrundfläche und Hartflächen resultieren, wird auch keine Kanalisationsanschlussgebühr fällig.

Kohli bemängelte weiter, die direkten Anstösser seien nicht über das Projekt informiert worden. «Das ist nicht Praxis, ausserdem sind viele bei der Ferro eingemietet und über deren Absichten stets informiert.»

Schliesslich hält der Gemeinderat fest, das Gesuch sei nicht der Raum-, Bau und Verkehrsplanungskommission - in der auch Kohli sitzt - vorgelegt worden, «weil die Prüfung dieses Baugesuchs nicht in deren Kompetenzbereich gehört».

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