Hannes Eichenberger ist neuer Gemeindeammann in Beinwil am See
Gemeindeammann: «Wer A sagt, muss auch B sagen»

Nach je einer vierjährigen Amtszeit als «gewöhnlicher» Gemeinderat und als Vizeammann steht der 45-jährige Landwirt Hannes Eichenberger seit diesem Jahr der Gemeinde Beinwil am See als Ammann vor.

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«Wer A sagt, muss auch B sagen»

«Wer A sagt, muss auch B sagen»

Fritz Thut

Mit Hannes (Taufname Johannes) Eichenberger an der Spitze ist die Welt von «Böju» – so könnten böse Zungen feststellen – wieder in Ordnung. Auch die beiden Vorgänger von Hans Schärer, dem Ammann von 2002 bis 2009, trugen den gleichen Familiennamen wie sein Nachfolger. Hannes Eichenbergers Dorfzuname heisst «Mahlers», was auf den Müllerberuf seiner Ahnen schliessen lässt. Die Familie kehrte übrigens aus dem «Exil» in Zetzwil wieder in den Heimatort zurück. Dies ist der Grund, weshalb der neue «Böjuer» Ammann mit seinen Amtsvorvorgängern nicht enger verwandt ist.

Unabhängigkeit wichtig

«Ich stamme aus einer eher unpolitischen Familie; meine direkten Vorfahren hatten keine wichtigen Ämter inne», gibt Hannes Eichenberger indirekt zu, ein Neueinsteiger zu sein und nicht zum Polit-Etablishement der Gemeinde zu gehören. Im Gespräch spürt man, dass er Wert auf seine Freiheit und Unabhängigkeit legt. Der Landwirt und Vater zweier Kinder, die beide in diesem Jahr ihre Lehre abschliessen, wurde zwar «von der SVP unterstützt», aber als «Parteiloser» gewählt.

Hannes Eichenberger macht kein Geheimnis daraus, dass er das höchste Amt in der Gemeinde nicht unbedingt angestrebt hat. Kein anderer der bisherigen und der infrage kommenden neuen Mitglieder des Rates zeigten jedoch Interesse am Vorsitz. «Ich war bisher Stellvertreter des Ammanns und so sagte ich mir: ‹Wer A sagt, muss auch B sagen.›»

«Ich schaue hin»

Beim neuen Gemeindeammann in Beinwil am See gilt das Prinzip der «freien Führung». «Wer gute Arbeit leistet, geniesst Freiheiten», erläutert er sein Credo, lässt jedoch umgehen ein Aber folgen: «Ich kann relativ schnell unangenehm werden.» Dies gelte sowohl für die Angestellten wie auch für die Kollegen im Rat. «Ich scheue mich nicht hinzuschauen, Kontrollen zu machen und – falls nötig – Konsequenzen zu ziehen.» Diese Aussage illustriert Eichenberger mit einem Beispiel aus der Zeit als Gemeinderat, als er im Bereich der (ausgelagerten) Sozialdienste «aufräumen» musste.

Nun stehen für ihn andere Bereiche und vor allem das Gemeinwohl der Gemeinde im Zentrum. Hannes Eichenberger ist sich bewusst, dass Beinwil am See nun das Entwicklungstempo etwas drosseln muss: «Wir haben aktuell viel Angefangenes. Ich will schauen, dass wir diese Projekte zu Ende führen.»

«Saubere Lösungen» als Ziel

Durch seine Tätigkeit während je einer Amtszeit als Gemeinderat und Vizeammann weiss er, wo Handlungsbedarf besteht. Neben der Infrastruktur geht es um die Schaffung von mehr Raum für die Verwaltung und die jüngst vom Souverän wieder aufs Tapet gebrachte Quartierstrassenberuhigung. Wiederholt spricht Hannes Eichenberger hier vom Suchen nach einer «sauberen Lösung». Im Gemeinderat gehe es um «Sach- und nicht um Parteipolitik», unterstreicht er seinen Willen zum Pragmatismus. «Wir haben die Bevölkerung zu vertreten und wir im Rat sind immer 5 und nicht einer allein, der entscheidet.»

Natürlich macht sich der neue Gemeindeammann von Beinwil am See auch Gedanken über die Zukunft seiner Gemeinde. «Ich stehe ein für das einheimische Gewerbe», sagt er, macht jedoch gleich eine Einschränkung, die als Motivationsspritze für die örtlichen KMU gedacht ist: «Sie müssen zu marktwirtschaftlichen Preisen offerieren.» Hannes Eichenberger ist nicht unglücklich, dass die Boomphase der letzten Jahre etwas vorbei ist: «Es ist schöner, wenn das Dorf kontinuierlich wächst. Ich persönlich glaube nicht, dass wir bereits am Ende der Amtszeit 3000 Einwohner haben.» Ende 2008 warens 2756.