Gemeinde soll Hallenbad stützen

Der Betrieb des Seoner Hallenbades ist zwar kostendeckend, aber für die obligatorischen Abschreibungen auf dem Fremdkapital reichts nicht mehr. Die Einwohnergemeinde soll einspringen.

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Hallenbad Seon

Hallenbad Seon

Aargauer Zeitung

Fritz Thut

Das Hallenbad ist am Freitag wieder einmal ein Traktandum an der Seoner Gemeindeversammlung. Der Gemeinderat stellt den Antrag, die Einwohnergemeinde solle bis auf weiteres die auf dem Fremdkapital vorgeschriebenen Abschreibungen des Eigenwirtschaftsbetriebes übernehmen. Im nächsten Jahr macht dies gut 280 000 Franken aus.

Das Seoner Hallenbad galt lange Zeit als Phänomen: Obwohl am nächsten am einzigen Aargauer See gelegen, präsentierte es Jahr für Jahr positive Abrechnungen. Der reine Betrieb ist auch im Moment noch kostendeckend, wie Gemeindeammann Heinz Bürki ausführt. Doch mit den für Gemeindewerke obligatorischen Abschreibungen ist das Gesamtergebnis trotz guten Besucherzahlen nicht mehr auszugleichen.

Die Krux: Wenn die Schulden nicht reduziert werden, schaukeln sich die entsprechenden Kosten in den nächsten Jahren immer mehr hoch. Deshalb ist für den Gemeinderat Seon der Zeitpunkt gekommen, etwas zu unternehmen. Dies soll durch die Umbuchung der Abschreibungen auf die Kasse der Einwohnergemeinde passieren. Damit verspricht man sich auf lange Frist eine Sanierung der finanziellen Situation.

Pensionskasse als Auslöser

Gemäss Ammann Bürki ist der Auslöser der akuten Misere die Ausfinanzierung der kantonalen Pensionskasse, bei der auch die Hallenbad-Angestellten versichert sind. «Diese Kosten, über eine halbe Million Franken, waren der finanzielle Todesstoss», so Bürki.

Der Seoner Gemeindeammann hat sich im Vorfeld der Gemeindeversammlung intensiv über von der öffentlichen Hand finanzierte Hallen- und Freibäder im ganzen deutschsprachigen Raum informiert und dabei «in Österreich, Deutschland und der Schweiz kein Gemeindebad gefunden, das kein Defizit aufweist». Sehr selten sind Bäder zu finden, die von Gemeinden als Eigenwirtschaftsbetrieb geführt werden, üblich ist eher die Abwicklung der Finanzen über das normale Budget.

Im Rahmen der Prüfung aller Varianten für die langfristige Zukunft des Hallenbades hat man in Seon diesen Transfer in die normale Gemeinderechnung ebenfalls geprüft. «Der reine Verkauf, der Verkauf mit Rückleasing, der Konkurs und die Schliessung waren auch keine realistischen Alternativen», so Bürki und so macht man nun dem Souverän die Variante mit der Übernahme der Abschreibungen beliebt. Man schafft damit einen Zuschussbetrieb analog der Abfallentsorgung.

Infrastruktur im Oberdorf

Mit dem Bau des neuen Fernwärmewerks im Oberdorf und den entsprechenden Leitungen wollen die technischen Betriebe Leitungen anpassen: 394 000 Franken kostet der Wasserbereich, 390 000 Franken Elektroleitungen. Zudem wird nun das Fernwärmereglement, das im Sommer noch nicht spruchreif war, vorgelegt. Ein Zusatzkredit von 52 000 Franken für die Ausscheidung von Schutzzonen für die Wasserversorgung wird ebenfalls beantragt.

Das Budget 2010 basiert in Seon auf einem gleich bleibenden Steuerfuss von 108 Prozent. Damit können sogar 78 000 Franken zusätzliche Abschreibungen vorgesehen werden. «Das war wieder - wie jedes Jahr - eine rechte Übung», seufzt Ammann Bürki, der konstatieren musste, dass die gebundenen Ausgaben, zu denen die Gemeinde nur nicken kann, diesmal wieder um 500 000 Franken gegenüber dem Vorjahr zugenommen haben.

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