Das Warnsystem des Bundes wurde zusammen mit den neuen Gefahrenstufen erst im Mai dieses Jahres eingeführt. Die Unwetterwarnungen wurden durch Radio und Fernsehen verbreitet. "Angemessen wäre wahrscheinlich die Gefahrenstufe 3 statt 4 gewesen", bilanzierte Patrick Hächler, Meteorologe bei MeteoSchweiz am Freitagabend gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Bei mutmasslichen Extremereignissen sei eine Detail-Prognose schwieriger als bei normalem Wetter, da man weniger Erfahrungswerte besitze, sagte er. Noch sei aber nicht alles vorbei. Die Böenfront habe erst cirka um Mitternacht die Schweiz ganz durchquert.

Mit der Front habe der Wind von Süd- auf Westwind gedreht. Dabei hätten die Böen an den meisten Orten Spitzen von 60 bis 80 Kilometern pro Stunde erreicht. Ausreisser war gemäss Hächler Cressier NE mit Windspitzen von 103 km/h.

Starkregen im Val de Travers und in Basel

Auch der Regen war bislang weniger stark als prognostiziert. An den meisten Orten habe es etwa 15 Liter pro Quadratmeter geregnet, wie die Radarbilder von MeteoSchweiz zeigten, sagte Hächler. Stark geregnet habe es aber im Val de Travers im Neuenburger Jura mit 50 Litern und in der Region Basel mit 30 Litern pro Quadratmeter.

Dort sei es möglicherweise zu lokalen Überschwemmungen gekommen. Mit grossflächigen Überflutungen sei aber nicht zu rechnen. Insgesamt habe es bis am Abend einzelne starke Gewitter in der Region West- bis Nordwestschweiz gegeben. Auch habe es an einigen Orten gehagelt. Unter dem Strich war das Unwetter gemäss Hächler bislang aber weniger schlimm als befürchtet.

Kein Lothar II

Bereits im Voraus hatten die Meteorologen aber erklärt, dass ein Unwetter der Dimension von Sturm Lothar, der 1999 über das Land fegte und ungeheure Schäden anrichtete, nicht zu erwarten sei. Dies sagte auch Thomas Bucheli von SF Meteo in der Hauptausgabe der "Tagesschau".

Wegen der Warnung war die Website von MeteoSchweiz am Freitagabend oft blockiert. Kaum seien die Unwetter angekündigt worden, seien die Aufrufe der Seite in die Höhe geschnellt, sagte Hans Romang von MeteoSchweiz.