Dieter Minder

«Wir haben dieser Summe nicht getraut», sagt Gemeindeammann Theo Wenger. Schon im Jahre 2008 hatte der Quellensteuerertrag wesentlich über den Erwartungen gelegen. Unterdessen wurden auch die Untersiggenthaler misstrauisch. Sie gehen davon aus, dass sie einen Teil des nach Turgi überwiesenen Geldes zugute haben. Beide haben sich nun wieder an den Kanton gewandt und erwarten von diesem eine Antwort. Sollte dies nicht innert nützlicher Frist geschehen, wollen die Gemeinden an die nächst höhere Instanz gelangen.

Fünf Quartale abgerechnet

Mit dem Jahresabschluss 2008 hatte das kantonale Steueramt der Gemeinde Turgi 610000 Franken Quellensteuern überwiesen. Bisher waren es regelmässig rund 380 000 Franken gewesen. «Wir haben den Kanton auf den grossen Unterschied aufmerksam gemacht», sagt Wenger. Der Kanton habe die höhere Summe mit einer Umstellung des Computersystems begründet. «Sie teilten uns mit, dass statt vier jetzt fünf Quartale abgerechnet würden.» Für die Turgemer war diese Begründung zu wenig stichhaltig. Sie verbuchten einen Teil des Geldes als Rückstellung. Daran hatte nun der Kanton keine Freude. «Sie haben uns angewiesen, die Rückstellung aufzulösen», sagt Wenger. Eine Folge davon: Der Jahresabschluss 2009 ist viel besser als sich Turgi bisher gewohnt war.

Die Limmat ist Gemeindegrenze

Die Turgmer gingen schon 2008 noch einen Schritt weiter: «Wir haben vom Kanton eine Liste mit den Steuerpflichtigen verlangt.» Dabei sind sie auf eine mögliche Ursache der hohen Zahlungen gestossen. Die Quellensteuern von Grenzgängern die in Ennetturgi arbeiten, waren der Gemeinde Turgi gutgeschrieben worden. Das ist nach Ansicht des Gemeinderates falsch. Denn Ennetturgi hat zwar, wie Turgi die Postleitzahl 5300, liegt aber in 5417 Untersiggenthal. Ähnlich sieht die Situation im Vogelsang aus. Auch dieses Dorf mit hohem Gewerbeanteil, hat die Postleitzahl 5300, gehört aber politisch zu 5412 Gebenstorf. Für den Gemeinderat Turgi war somit klar: Der Kanton ist über einen Umstand gestolpert, die immer wieder zu Missverständnissen führt.

Die Rechnung 2009 ist zu gut

Der unerwartete Geldsegen hat die Gemeinderechnung 2009 stark beeinfluss. Neben den vorgeschriebenen Abschreibungen von 804 000 Franken resultierte noch ein Gewinn von 335861 Franken. Im Budget hatte der Gemeinderat noch einen Verlust von 702167 Franken angenommen. Neben massiven Einsparungen ist der gute Abschluss vor allem auf die Quellensteuern zurück zu führen. Die Zahlung 2009 und die vom Kanton verlangte Auflösung der Rückstellung schwemmten 900000 Franken in die Gemeindekasse.

Wenn die Angaben des Kantons nicht stimmen sollten, wäre Turgi wieder tief in den roten Zahlen. «Eine Rückzahlung wäre nur in Etappen möglich», schreibt der Gemeinderat und wartet nun gespannt auf die finanziellen und geografischen Erkenntnisse des Kantons.