Im regionalen Arbeitszentrum (RAZ) im oberaargauischen Herzogenbuchsee finden Menschen mit Handicap eine Arbeit. Wenig ausgeprägt war das soziale Gewissen offenbar bei Alexander M., der bis Anfang 2017 bei der Behinderten-Stiftung Geschäftsführer war. Sein Nachfolger Rudolf Andres merkte nach dem Wechsel bald: Etwas stimmt nicht. In einer anonymen Mitarbeiterumfrage kam wenige Monate später der Hinweis, dass der Ex-Geschäftsführer in den eigenen Sack gewirtschaftet und Geld unterschlagen habe. Stichproben in der Buchhaltung haben das laut Andres bestätigt, wie der Regionalsender Tele M1 berichtet. Die Geschäftsführung hat deshalb eine Strafanzeige eingereicht.

Warum fiel das falsche Spiel jahrelang niemandem auf? M. führte nicht gerade einen bescheidenen Lebensstil. Als Geschäftswagen parkierte er seinen teuren Jaguar vor der Sozialeinrichtung. Hätte man nicht früher stutzig werden müssen? Andres verneint. Die Institution sei finanziell sehr gut aufgestellt und die Zahlen immer gut gewesen. "Deshalb fiel das nicht auf", sagt Andres.

Komplize im Stiftungsrat?

Die Strafanzeige richtet sich auch gegen den ehemaligen Stiftungsratspräsidenten. Er könnte in die Aktion verwickelt gewesen sein, indem er den Geschäftsführer mutmasslich deckte.

Beide Beschuldigten sind aus dem Stiftungsrat zurückgetreten. Wie hoch der Deliktsbetrag ist, ist unklar.

Steuergelder in der Stiftung

Zu den Geschädigten dürften auch die Steuerzahler gehören. Die Stiftung finanziert sich zu einem Drittel aus öffentlichen Geldern.

Ein Teil der Aufarbeitung ist bereits passiert. Der übergrosse Parkplatz, auf dem früher der Jaguar des Chefs stand, ist jetzt reserviert für Behinderte. (mwa)