Radio Energy
Geld rettet Radio Energy

Radio Energy, das für den Grossraum Zürich eine Konzession beantragt, aber nicht erhalten hat, will dank einem teuren Schachzug trotzdem überleben: Es kauft die UKW-Frequenz, die Radio Monte Carlo zugeteilt worden ist.

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Alfred Borter

Jubel gestern bei den Fans von Radio Energy: Sie haben wieder die Hoffnung, dass der Sender auf Ende Jahr nicht aus dem Äther verschwindet. Berechtigte Hoffnung, wie Geschäftsführer Dani Büchi freudestrahlend verkündete: «Wir bleiben auf Sendung.» Radio Monte Carlo tritt seine Frequenz an Energy ab.

Freude herrscht natürlich auch bei den 60 Angestellten. Als sie gestern früh die gute Nachricht erfuhren, hätten sie spontan applaudiert, sagte eine Moderatorin. Mit seinem Sendekonzept hatte Radio Energy das Bundesamt für Kommunikation nicht überzeugen können, Energy ging bei der Vergabe von UKW-Frequenzen leer aus.

Dass der Sender jetzt möglicherweise doch noch zu einer Frequenz kommt, ist darauf zurückzuführen, dass Ringier für sein Verlegerradio Geld locker macht, wie gestern an einer Medienorientierung zu erfahren war. Ob Millionen fliessen und wenn ja, wie viele, mochten weder Marc Walder, Geschäftsführer von Ringier Schweiz, noch Giuseppe Scaglione von Music First Network öffentlich machen. «Wir haben Stillschweigen vereinbart», war das Einzige, was die beiden dazu sagen wollten.

Update

Am 31. 10. 2008 hat das Uvek 14 UKW-Radio- und 7 Regionalfernseh-Konzessionen vergeben. Im Raum Zürich-Glarus kamen Radio 1, Radio 24 und Radio Zürisee zum Zug, für das Gebiet Zürich (mit Ausdehnung bis Horgen, Meilen, Bülach und Wettingen) erhielt Radio Monte Carlo Züri eine Frequenz. Energy ging leer aus. Dagegen erhob Energy Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Erfolglos. (abr.)

Umso gesprächiger waren Büchi, Walder und Scaglione, um darzulegen, wie toll die jetzt gefundene Lösung sei. Weil es doch nicht im Sinn des Gesetzgebers sein könne, dass ein so beliebtes Radio untergehe, sei man auf Scaglione zugegangen, erläuterte Walder.

Dieser hatte nicht nur eine Frequenz für sein Jugendradio 105 erhalten, sondern - eher unverhofft - auch für Radio Monte Carlo. Während das Jugendradio auf Sendung ist, hat er für Radio Monte Carlo noch nicht einmal damit begonnen, Mitarbeiter anzustellen.

Gestern konnte man denn auch den Eindruck gewinnen, Scaglione sei überrumpelt worden, als er auch mit seinem zweiten Gesuch um eine Frequenz Erfolg hatte. «Ich hätte Radio Monte Carlo gerne über UKW ausgestrahlt», hielt Scaglione fest. Aber die jetzt getroffene Lösung eröffne ihm bessere Möglichkeiten. Welche, wollte er noch nicht bekannt geben, stellte aber nicht in Abrede, dass er mit dem erhaltenen Geld Radio 105 stärker alimentieren kann.

Handel noch nicht perfekt

Ringier hätte Energy ungern geschlossen, betonte Walder. «Das Radio ist uns ans Herz gewachsen.» Er gab aber auch zu verstehen, der Handel mit Scaglione sei noch nicht perfekt, es brauche auch noch das Einverständnis des Departements von Moritz Leuenberger.

Dieses entscheide nach Anhören des Stadtrats von Zürich, des Regierungsrats und der Mitbewerber im Radiobereich. Aber er könne sich nicht vorstellen, dass das Uvek nicht einverstanden sei, nachdem doch in Basel und Genf ähnliche Übertragungen gut über die Bühne gegangen seien. «Die Möglichkeit, dass das Uvek ablehnt, ist nur theoretisch», sagte Walder.

Auch Fragezeichen

Bei anderen Radiostationen reagiert man auf neueste Wendung gelassen. «Es ist gut, dass wir wissen, woran wir sind», meinte Karin Müller, Programmleiterin bei Radio 24. Und auch Tony Immer, Chefredaktor bei Radio Zürisee, freut sich für die Energy-Mitarbeiter, wenn deren Job gesichert sei. Allerdings macht er auch ein Fragezeichen zum ganzen Frequenzhandel, bei dem Millionen zu gewinnen seien. Ob Bundesrat Leuenberger dazu einfach Ja sage, sei aus seiner Warte nicht sicher.

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