Fussgängerstreifen
Gelbe Füsse bieten Hilfe

In den Tempo-30-Zonen gibt es keine Fussgängerstreifen – das sagt das Gesetz. Allerdings besteht ein Ausnahmerecht. Der Schlieremer Stadtrat hat zu diesem Thema eine kleine Anfrage beantwortet.

Merken
Drucken
Teilen
Tempo 30

Tempo 30

Limmattaler Zeitung

Daniel von Känel

«Die Anordnung von Fussgängerstreifen ist unzulässig. In Tempo-30-Zonen dürfen jedoch Fussgängerstreifen angebracht werden, wenn besondere Vortrittsbedürfnisse für Fussgänger dies erfordern, namentlich bei Schulen und Heimen.» So steht es in der Eidgenössischen Verordnung über die Tempo-30-Zonen und die Begegnungszonen.

Gemeinderätin Wafaâ Jafrane Brajkovic (SP) wollte vom Stadtrat in einer kleinen Anfrage wissen, wie der Stadtrat die rechtliche Frage beurteile, dass die Markierungen von Fussgängerstreifen im Bereich von Schulhäusern wieder angebracht werden - trotz geltender Tempo-30-Zone.

«Vom Ausnahmerecht, an stark frequentierten Schulwegen und bei Heimen trotzdem Fussgängerstreifen zu markieren, macht die Kantonspolizei Zürich durchwegs keinen gebrauch», schreibt der Stadtrat in seiner Antwort. Die Verkehrstechnische Abteilung der Kantonspolizei sei auch in Schlieren ihrer ständigen restriktiven Praxis gefolgt und habe die konsequente Entfernung der Fussgängerstreifen in Tempo-30-Zonen verfügt. «Zurzeit wird an dieser Praxis kaum etwas zu ändern sein», schreibt der Stadtrat.

Denn: Auch von anderen Gemeinden sei bekannt, dass Wiedererwägungsgesuche für Fussgängerstreifen abschlägig behandelt worden seien.
Hilfestellung für den Schulweg

Dafür wurden in den Tempo-30-Zonen die bevorzugten Stellen zur Überquerung der Strasse signalisiert. In der Nähe von Schulhäusern an der Urdofer-, Freie- und Stationsstrasse wurden dort, wo für Fussgänger und Automobilisten gute Sicht herrscht, auf den Trottoirs so genannte gelbe «Füssli-Bodenmarkierungen» angebracht. Diese geben laut Stadtrat den Schülern konkrete Hilfestellungen für den Schulweg. Zudem würden die Kindergärtler, die Erstklässler und die Viertklässler (mit dem Fahrrad) regelmässig durch den stadtpolizeilichen Verkehrsinstruktor über das Verkehrsverhalten und den Schulweg instruiert und geschult.
Fahrzeuge haben Vortritt

Zur allgemeinen Sicherheit führe die Stadtpolizei regelmässig Geschwindigkeitskontrollen in den Tempo-30-Zonen durch. «Erfreulicherweise wird die Geschwindigkeitslimite recht gut eingehalten und es müssen nur relativ wenige Automobilisten gebüsst werden», heisst es.
Je grossräumiger Tempo 30 abseits der Hauptachse gelte, umso besser werde diese Höchstgeschwindigkeit eingehalten - auch ohne weitreichende bauliche Massnahmen. Studien hätten dies gezeigt.

In diesen Zonen, schreibt der Stadtrat, hätten Fahrzeuglenkende gegenüber Fussgängerinnen und Fussgängern Vortritt. Diesen werde aber das Überqueren der Strasse in angemessener Weise ermöglicht. Innerhalb der Tempo-30--Zonen müsse besonders vorsichtig und rücksichtsvoll gefahren werden. Durch die tiefere Geschwindigkeit und weniger Verkehr werde es einfacher, die Strassen zu überqueren. «Fussgänger sollen die Strasse an denjenigen Stellen überqueren, wo sie sich am sichersten fühlen und wo die besten Sichtverhältnisse vorherrschen», hält der Stadtrat fest. «Aus diesem Grund verlangt die Verordnung über die Tempo-30-Zonen das Aufheben der Fussgängerstreifen.»

Tempo 30 als Gesamtkonzept

Für die Einführung von Tempo 30 in Schlieren besteht ein Gesamtkonzept. Ursprünglich waren 950 000 Franken für die Umsetzung geplant, das Schlieremer Parlament kürzte im November 2005 den Rahmenkredit auf 700 000 Franken. Daraufhin wurde das Konzept angepasst, aber weiterhin am Ziel festgehalten, acht Wohnquartiere in Schlieren verkehrsmässig zu beruhigen.