Gelbe Ecke im Laden ist die Post

Susanne Luder-Burkhalter (rechts) übergibt die Leitung des Volg-Ladens in Aeschi bald an Pascale Reinhard

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Susanne Luder-Burkhalter (rechts) übergibt die Leitung des Volg-Ladens in Aeschi bald an Pascale Reinhard

Viele kleine Orte fürchten, dass ihre Poststelle zu einer Agentur im Dorfladen zurückgestuft wird. Im Februar ist dies in Aeschi geschehen. Der Volg-Laden ist nun auch die Post, und die ersten Erfahrungen sind nicht nur negativ.

Hans Peter Schläfli

Es ist 10 Uhr an einem gewöhnlichen Morgen, aber der Volg-Laden gleicht einem Bienenstock. Mit emsigem Kommen und Gehen bildet sich an der Kasse sogar eine Schlange. Hektik kommt aber keine auf. Susanne Luder-Burkhalter begrüsst jeden Kunden mit Namen. Man kennt sich persönlich, und die Koppigerin gehört bereits zum Solothurner Dorf. Schliesslich war sie schon dabei, als die Filiale in Aeschi vor fünf Jahren eröffnet wurde.

Seit Februar ist der «Volg» auch die Post - eine jener Agenturen also, die in den letzten Wochen allerorts das Thema sind. Weitere 420 Poststellen werden in nächster Zeit überprüft. Davon wird der Gelbe Riese vermutlich viele, wie in Aeschi geschehen, in eine Agentur im Dorfladen überführen.

Die Betreuung ist wichtig

Eine eigenständige Poststelle würde sich im äussersten Zipfel des Wasseramtes wohl nicht mehr rentieren. Im «Volg» wurde als Ersatz eine gelbe Ecke eingerichtet. Diese hat zwei Teile, einen für die Brief- und Paketpost, der andere für die Einzahlungen. «Das erste Mal hat mir Frau Luder-Burkhalter alles ganz genau erklärt», sagt eine Kundin, die gerade einen Brief frankiert. «Einen richtigen Einführungskurs habe ich bekommen.» Sie sei froh um die Post-Agentur und benutze diese regelmässig.

Doch zu 100 Prozent sei diese kein Ersatz für die frühere Post. «Die älteren Leute würden gerne weiterhin mit dem Postbüchlein die Einzahlungen machen», weiss sie. «Ich mache jetzt meine Einzahlungen auf der Raiffeisenbank Aeschi», ergänzt eine andere Kundin. «Am Anfang mussten wir eigentlich allen zeigen wie es geht. Heute helfen wir noch ab und zu den älteren Kunden, die Mühe mit der Selbstbedienung haben», bestätigt die Chefin.

Das System verträgt Bedienungsfehler, oder wie es Luder-Burkhalter sagt: «Man darf sich auch einmal vertippen.» Die Kosten für einen eingeschriebenen Brief werden erst dann fällig, wenn der am Selbstbedienungsschalter ausgedruckte Kleber an der Ladenkasse eingescannt wird. Die Verkäuferinnen kontrollieren und helfen, wenn es sein muss.

Nachteile beim Zahlungsverkehr

Auch kleinere Summen Bargeld können mit der Postcard an der Ladenkasse abgehoben werden. «Dieses Angebot wird rege genutzt», sagt Luder-Burkhalter. Einzahlungen können aber nur bargeldlos mit der Postcard getätigt werden. «Viele, vor allem ältere Leute, würden gerne bar die Einzahlungen erledigen», nennt sie den auch aus ihrer Sicht grössten Nachteil gegenüber einer normalen Poststelle. Als die grössten Vorteile bezeichnet sie die langen Öffnungszeiten und den Erhalt des Standortes im Dorf.

«Ab und zu kauft der Kunde, der nur ein Päckli abholen wollte, auch noch etwas ein», bestätigt sie, dass nicht nur die Post, sondern auch der Dorfladen von der Zusammenarbeit profitiert. «Das Postgeheimnis wird gewahrt.» Sie zeigt die Schublade, in der eingeschriebene Briefe vor den Blicken der Kundschaft verborgen sind.

Dort ist auch ein ganzer Stapel Abholscheine aufbewahrt. «Die Päckli auszuhändigen, das gibt am meisten zu tun, und ist eine der wichtigen Dienstleistungen», sagt sie. «Sonst müsste die eingeschriebene Post wohl in Etziken abgeholt werden, was für die weniger mobilen Menschen ein Problem wäre.» Mit zweieinhalb Stunden Postarbeit pro Tag wird im Volg-Laden gerechnet.

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