Nationalbank
Geklaute Tausender: So erkennen Sie die ungültigen Scheine

Peinlicher Diebstahl bei Orell Füssli: Unbekannte klauen 1800 unfertige Tausendernoten aus der Sicherheitsdruckerei des Verlags. Wert: 1,8 Millionen Franken. Betroffen sind ausschliesslich Noten aus dem Jahr 2012.

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Super-GAU für Orell Füssli: Unbekannte klauen 1800 unfertige Tausender aus der Sicherheitsdruckerei des Verlages. (Symbolbild)

Super-GAU für Orell Füssli: Unbekannte klauen 1800 unfertige Tausender aus der Sicherheitsdruckerei des Verlages. (Symbolbild)

Keystone

Seit 1911 druckt Orell Füssli im Auftrag der Schweizerischen Nationalbank (SNB) die Schweizer Banknoten. Die Sicherheitsdruckerei des traditionsreichen Verlages bezeichnet den Banknotendruck im Internet als ihre Kernkompetenz. «Als Hersteller der Schweizer Banknoten - zurzeit als die sichersten der Welt betrachtet - und auch von Banknoten für andere Staaten, setzen wir Standards.»

Dieses makellose Image dürfte nun Schaden nehmen. Wie der Verlag und die Nationalbank heute Dienstagmorgen zeitgleich mitteilten, haben ein oder mehrere Unbekannte letztes Jahr 1800 noch nicht fertig gedruckte Tausendernoten aus der Sicherheitsdruckerei entwendet. Wert: 1,8 Millionen Franken. Betroffen sind ausschliesslich Scheine aus dem Jahr 2012.

Hinweis aus London

Der erste Hinweis auf den Notenklau erreichte die Schweizer Behörden bereits am 5. Oktober 2012 aus London. Die Agentur für schwere organisierte Kriminalität hatte in einer Wechselstube der britischen Hauptstadt verdächtige Noten festgestellt. Der Verdacht bestätigte sich. Die Verantwortlichen von Orell Füssli und SNB hielten die Information aus Rücksicht auf die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft jedoch unter Verschluss.

Die Nationalbank ruft die Bevölkerung nun dazu auf, verdächtig aussehende Tausendernoten auf ihre Echtheit überprüfen zu lassen. Anlaufstellen sind alle Banken, das Kommissariat Falschgeld des Bundesamtes für Polizei, jeder Polizeiposten - und die SNB selbst.

Fehlende Sicherheitsnummer?

Die ungültigen Tausender sind von blossem Auge nur schwer zu erkennen. Zwei Merkmale stehen im Zentrum: Erstens weisen die Noten laut Nationalbank entweder gar keine oder dann nachträglich aufgedruckte Seriennummern auf. Zweitens fehlt den Scheinen möglicherweise das sogenannte Microperf-Sicherheitselement. Es besteht aus zwei Loch-Mustern, eines davon eine Zahl. Wird die Note senkrecht vor einen hellen Hintergrund gehalten, erscheint im Normalfall das erste Muster. Kippt man die Note, verschwindet die Zahl und das zweite Muster wird sichtbar.

Orell Füssli bezeichnet Microperf als «extrem fälschungssicher»: «Die speziell geformten Löcher, die den Effekt hervorrufen, sind mechanisch oder mit herkömmlichen Lasern nicht erzeugbar.» Offenbar schliesst der Verlag aber nicht ganz aus, dass auch dieses Sicherheitselement nachträglich angebracht worden sein könnte.

Stellt sich ein Tausender bei der Überprüfung tatsächlich als ungültig heraus, erhält der Besitzer von der Nationalbank eine echte Tausendernote. Voraussetzung dafür ist die Einreichung eines entsprechenden Gesuchs. Die Bundesanwaltschaft bittet die Betroffenen, vorsichtig mit verdächtigen Noten umzugehen und die möglicherweise nachträglich aufgedruckte Seriennummer «nicht mehr als nötig zu berühren».

Fest steht: Orell Füssli kommt für den entstandenen Schaden selber auf. Die Einbusse hat der Verwaltungsrat des Verlages in seiner Gewinnwarnung vom 9. September bereits berücksichtigt. (LHN)