Schauspielerin, Model und Buchautorin Corinne Parrat (35), die seit einer Hirnhautentzündung im Alter von zwei Jahren nichts mehr hören kann, geht auf den sozialen Netzwerken in die Offensive und fordert wie in ihrem in dieser Woche erschienenen Buch «Meine Augen hören» von der SRG «nun endlich» mehr Leistung im Schweizer Fernsehen (SRF) für Gehörlose: «Ich bezahle den vollen Billag-Betrag, kann aber weder Radio hören und kaum Sendungen am Fernsehen normal mitverfolgen», schreibt die Miss Handicap 2009. «Es ist für mich unerklärlich, dass es noch immer so wenige Sendungen für Gehörlose oder Hörbehinderte gibt!»

Corinne Parrat – ein filmisches Porträt

Corinne Parrat – ein filmisches Porträt

Parrats Anliegen ist auch beim Schweizerischen Gehörlosenbund ein grosses Thema, denn gemäss Sprecherin Martina Raschle ist «das heutige Angebot an gehörlosengerechten Sendungen mit Untertiteln und/oder Gebärdensprache nicht ausreichend. Menschen mit einer Hörbehinderung bezahlen die vollen Gebühren, haben aber nur zu einem Bruchteil des Informationsangebotes Zugang.» Bei der SRG nimmt man die Forderung ernst: «Die SRG SSR anerkennt die Bedürfnisse von hör- und sehbehinderten Menschen in der Schweiz und investiert umfangreiche Mittel, um die Inhalte der SRG-Unternehmenseinheiten barrierefrei anzubieten», sagt Sprecher Daniel Steiner. «2016 haben wir fast 30'000 Stunden Fernsehprogramm mit Untertiteln ausgestrahlt. Dies entspricht einem Anteil von gut 50 Prozent der Sendezeit. Als kleines und mehrsprachiges Land ist dies ein grosser Effort.» Derzeit überprüfe man, in welcher Form man die Dienstleistungen für hör- und sehbehinderte Menschen verbessern könne.

Zwar untertitele das Schweizer Fernsehen inzwischen rund die Hälfte der ausgestrahlten Sendungen, doch diese Bilanz sei sehr trügerisch, weil auch Wiederholungen dazugezählt würden, sagt Martina Raschle, und erklärt: «Es ist doch ein enormer Unterschied, ob man während vier untertitelten Sendestunden vier verschiedene Sendungen sieht oder viermal dieselbe Sendung.» Der Schweizerische Gehörlosenbund bleibt hartnäckig und fordert von der SRG 100 Prozent Untertitel für gesprochene Inhalte und mindestens 5 Prozent Sendungen in Gebärdensprache – entweder durch Gebärdensprachdolmetscher oder als eigenes Sprachfenster wie für die rätoromanische Sprache. «Unsere Forderungen werden unter anderem gestützt vom Service-public-Bericht des Bundesrates des Jahres 2016. Darin formuliert der Bundesrat die Erwartung an die SRG, ihre Leistung für sinnesbehinderte Menschen weiter auszubauen», so Raschle.

Seit dieser Woche ist zudem bekannt, dass ab April auch 13 vom Gebührentopf unterstützte Schweizer Regionalsender Untertitel für hörbehinderte Menschen anbieten müssen. Das Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) verlangt, dass ab der ersten Wiederholung die News-Sendungen untertitelt sein müssen. Der Bund kommt damit Forderungen von Gehörlosenverbänden nach.

Zwar erhalten seit Juli letzten Jahres die Sender mehr Geld, sind nun aber mit einem deutlichen Mehraufwand konfrontiert. Martina Raschle: «Neben der rechtlichen Verpflichtung entspricht die Untertitelung auch den heutigen Ansprüchen ans Fernsehen; sie kommt bis zu 1 Million Menschen mit einer Hörbehinderung zugute.»