Die fehlende Anerkennung erschwere es gehörlosen Menschen, an der Gesellschaft, dem Bildungssystem, der Arbeitswelt und an kulturellen Angeboten teilzunehmen, schreibt der Gehörlosenbund in einer Mitteilung. Seine Forderung stellt er aus Anlass des ersten Welttages der Gebärdensprachen am (morgigen) Sonntag.

Am Samstag demonstrierten in Genf aus diesem Anlass rund 300 Personen. Sie beklagten, dass Gehörlose es in der Schweiz schwer hätten, Informationen in einer ihrer Beeinträchtigung entsprechenden Form zu erhalten. In der Schweiz gibt es rund 10'000 Gehörlose. Stärker verbreitet ist Schwerhörigkeit mit schätzungsweise 800'000 bis einer Million Betroffenen.

Vorreiterrolle Genfs

Im Kanton Genf ist die Gebärdensprache gemäss Kantonsverfassung anerkannt. Menschen mit Behinderung hätten einen Anspruch darauf, Informationen zu erhalten und in einer ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten entsprechenden Form zu kommunizieren, heisst es im fraglichen Artikel.

Die Stadt Bern ist nach eigenen Angaben die erste Schweizer Stadt, die im Internet auch in Gebärdensprache - per Video - kommuniziert. Die Stadt plant gemäss Angaben vom August ein Grundangebot von 15 bis 20 Videos. An der Innerrhoder Landsgemeinde übersetzten Dolmetscher im April zum ersten Mal live in Gebärdensprache.

Unterschiedliche Sprachen

Gebärdensprachen unterscheiden sich laut dem Gehörlosenbund von Land zu Land und auch regional. In der Schweiz gibt es deren drei: die Deutschschweizer Gebärdensprache (DSGS), die Langue des Signes Française (LSF) und die Lingua dei Segni Italiana (LIS). Sie würden von mehr als 10'000 Menschen im Alltag benutzt, schreibt der Gehörlosenbund dazu.

Mit einem Kampagnenfilm ruft er Gehörlose auf, sich für ihre natürliche Sprache stark zu machen. Politikerinnen und Politiker soll der Film an die Unterschrift der Schweiz unter die Uno-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen erinnern. Diese anerkenne Gebärdensprachen vollständig als nationale Sprachen, schreibt der Gehörlosenbund.

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