Datendiebstahl
Geheimdienst-Affäre: Die UBS gab dem Bund entscheidenden Tipp

Ein Datendieb hat beim Nachrichtendienst (NDB) Daten in grossem Stil kopiert. Der Mann, der monatelang als Querlant auffiel, flog auf, weil die UBS dem NDB einen Tipp gab. VBS-Chef stützt NDB-Chef Markus Seiler trotz des Datenklaus.

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Erst ein Tipp der Grossbank UBS enttarnte den Datendieb.

Erst ein Tipp der Grossbank UBS enttarnte den Datendieb.

Keystone

Der Informatiker, der im Nachrichtendienst (NDB) riesige Mengen vertrauliche und geheime Informationen kopierte, wurde in letzter Minute dank eines Tipps der Grossbank UBS gestoppt. Der Mann hat bei einer UBS-Filiale in der Region Bern ein Nummernkonto eröffnen wollen. Der Kundenberater meldete die Anfrage intern weiter, worauf eine Warnung an die NDB-Spitze ging. Das schreibt die «Sonntags-Zeitung». Erst nach diesem Tipp stellte der NDB fest, dass Daten kopiert worden waren. Die Affäre wurde letzten Mittwoch publik.

VBS-Chef Ueli Maurer und die UBS wollten zum Vorfall keine Stellung nehmen.

Auf ein Versagen des NDB unter Direktor Markus Seiler deutet auch der Umstand hin, dass die Führung des Geheimdienstes seit Sommer 2011 von Problemen mit dem Informatiker wusste: Dieser warf seinem Vorgesetzten wiederholt Mobbing vor, hatte immer wieder Absenzen wegen angeblicher Gebrechen und war als «nicht sehr konstruktiver Mitarbeiter» aufgefallen, wie es im NDB heisst.

Neue Passwörter gesetzt

Teilweise ging der Mann so weit, dass er Datenbanken mit neuen Passwörtern versah, sodass seine Kollegen nicht mehr damit arbeiten konnten. Zwar wurde die NDB-Personalabteilung eingeschaltet, doch der Mann behielt sein Aufgabengebiet und verfügte bis zuletzt über die vollen Zugriffsrechte zu allen Datenbanken.

Öffentlich verteidigt Bundesrat Maurer Nachrichtendienstchef Seiler: «Das Vertrauen in die NDB-Führung ist absolut vorhanden», sagt Ueli Maurer im Interview. Seiler brach am Freitag seine Ferien ab. Nächste Woche trifft er sich mit den Spitzen der Sicherheitsdienste zur Lagebeurteilung.

Bei den entwendeten Daten handelt es sich um den ganzen Server des internen E-Mail-Systems SILAN. Das Netz ist gegen aussen abgeschottet, innerhalb tauschen die Geheimdienstler sensible Daten wie Berichte von ausländischen Diensten aus oder geben Anweisungen für Satellitenüberwachungen. Neben dem Mail-Server kopierte der 43-Jährige auch den Speicher seiner Abteilung.