Dass das Schweizer Stimmvolk über eine Initiative der über hundertjährigen CVP abstimmt, das kommt äusserst selten vor – zuletzt 1945, als der Gegenvorschlag zur zurückgezogenen Familienschutz-Initiative angenommen wurde. Am 8. März dieses Jahres ist es wieder so weit: Dann kommt die Initiative für steuerfreie Kinder- und Ausbildungszulagen an die Urne.

Bis anhin ist die Vorlage auf Kurs, gemäss der ersten SRG-Umfrage würde sie auf einen Ja-Anteil von 52 Prozent kommen. Das hat mit dem frühen Zeitpunkt der Befragung zu tun – Initiativen tendieren dazu, mit zunehmendem Kenntnisstand der Bevölkerung an Popularität zu verlieren. Die hohe Zustimmung hat aber auch damit zu tun, dass die Gegner der Initiative bislang kaum in Erscheinung getreten sind.

Zwar präsentierten sich am 22. Januar sieben Vertreter von FDP, BDP, GLP, SP und Grünen vor den Medien – von CVP-Ständerat Pirmin Bischof tags darauf genüsslich als «Birchermüeslikoalition aus Erdbeeren, Gurken, Zucker und Essig» bezeichnet. Als junge Eltern könnten sie, so ihre Botschaft, glaubhaft darlegen, dass die Initiative der falsche Weg für die Förderung von Familien sei. Fehlende Steuereinnahmen führten zwangsläufig zu Sparprogrammen, die Familien mit wenig Einkommen besonders hart treffen würden, sagte die Berner SP-Nationalrätin Nadine Masshardt. Doch seither ist es wieder ruhig geworden um die Gegner.

Fakt ist: Im Gegensatz zur GLP-Initiative «Energie- statt Mehrwertsteuer», über die ebenfalls am 8. März abgestimmt wird, hat im Kampf gegen die CVP-Initiative keine Partei den Lead übernommen. Die Koordination der Gegenkampagne organisieren die Parteisekretariate von FDP und SP, dies jedoch unter äusserst bescheidenen Vorzeichen. «Gemäss Stand heute haben wir ein Budget von null Franken», sagt FDP-Kampagnenleiter Matthias Leitner.

Ganz anders die Situation bei der CVP: Sie zwackt rund einen Drittel ihres Wahlkampfbudgets von 2 Millionen Franken ab, um das Stimmvolk für ein Ja zu gewinnen.

Entsprechend dürftig ist denn auch das Informationsangebot der Initiativgegner. Plakate sind zu teuer, Inserate ebenfalls. Und wenn man bei Google nach «Komitee Nein zur CVP-Familieninitiative» sucht, stösst man gleich nach der Partei-Homepage der SP auf die Pro-Website der Initianten. Einen eigenständigen Gegenauftritt im Internet, wie man es von anderen Abstimmungsvorlagen kennt, gibt es schlicht nicht. «Das würde mindestens 3000 bis 4000 Franken kosten. Ich wüsste nicht, wo wir das Geld hernehmen sollten», so Leitner. Wenigstens werde man ab nächster Woche Flyer verteilen.

Dass man sich im Wahljahr nicht an einer familienpolitischen Vorlage die Finger verbrennen möchte, lassen die Gegner nicht gelten. «Das hat nichts damit zu tun. Wir können uns einfach nicht überall gleich stark engagieren», sagt Grünen-Co-Präsidentin Regula Rytz, deren Partei neben der GLP als einzige für ein Ja zur Energiesteuer kämpft. BDP-Präsident Martin Landolt plädiert dafür, «nur nicht nervös zu werden». Bis zur Abstimmung gehe es noch eine Weile, man werde nun aktiver werden.

Bei der CVP reibt man sich die Hände. Gegen flügellahme Gegner anzutreten, ist einfacher. Die Zürcher Nationalrätin Barbara Schmid-Federer vermutet, dass sich die Gegner von den parlamentarischen Beratungen beeinflussen liessen – dort hatte die Initiative nicht den Hauch einer Chance. «Sie waren sich zu sicher. Umso besser für uns.»