Linksautonome
«Gegen was demonstrieren die eigentlich?»

Viel Lärm wofür? Der Zweck des Protestmarsches der Autonomen am Samstag in Aarau blieb den meisten Passanten verborgen.

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Toni Widmer
Eine groteske Situation: Im Zug der Demonstranten am Samstag in Aarau ein Schild mit der Aufschrift: «Ich bin ein Polizischt, ich kann knüppeln und sonscht nix». Und daneben Dutzende von Polizisten, die nichts anderes taten, als jene Aufgabe wahrzunehmen, die ihnen das Schweizer Volk als Gesetzgeber aufgetragen hat. Die meisten von ihnen hatten zur Vermeidung eines Saubannerzuges in Aarau auf einen freien Tag verzichten müssen.
Gegen 200 Autonome waren aus verschiedenen Landesteilen zu dieser schon vor Wochen angekündigten Demo angereist. Nicht wenige aus dem Umfeld der Berner Reithalle, einem von den Behörden nach wie vor tolerierten, weitgehend rechtsfreien Zentrum linksextremer Aktivitäten.
Gegen Polizeigewalt richte sich ihr Protestmarsch und gegen den Kapitalismus, verkündeten die Demonstranten lauthals. Den vielen Passanten, welche die Aktion am Rande verfolgten, wurde deren Zweck dennoch nicht ganz klar: «Gegen was demonstrieren die eigentlich? Wollen sie uns weismachen, die Polizei habe tatenlos zuzuschauen, wenn sie aus Frust gegen unser System reihenweise Autos anzünden, Häuser verschmieren und andere Sachbeschädigungen vornehmen?», fragte ein älterer Aarauer.
Zu Sachbeschädigungen kam es am Samstag nicht. Zum Leidwesen jenes freien Fotografen, der in der Hoffnung auf spektakuläre Bilder extra aus Deutschland angereist war. Ausgerüstet mit Schutzmaske und spezieller Schutzkleidung. Der friedliche Verlauf war einerseits das Verdienst der Polizei, die das Geschehen dank Grossaufgebot im Griff hatte. Zum anderen waren offenbar doch nicht nur gewaltbereite Chaoten zur Demo gereist. Zumindest fiel recht positiv auf, dass viele Leute aus dem Demonstrationszug ihre leeren Getränkedosen ordentlich in den Abfallkörben am Strassenrand entsorgten.