Rückblick

Gegen Maurer hatte niemand eine Chance

Verteidigungsminister Ueli Maurer verlässt sein Amt «mit einem guten Gefühl» – zuvor zeigt er aber noch seine Schlittelkünste.

Es musste am Schlitten gelegen haben. War dieser so präpariert, dass er gegenüber allen anderen schlicht schneller war? Wie sonst ist zu erklären, dass ein 65-Jähriger den im Schnitt halb so alten Journalisten nur so um die Ohren fährt? Ueli Maurer, abtretender Vorsteher des Verteidigungsdepartements (VBS) und unbestrittener Sieger des improvisierten Schlittelrennens auf der bernischen Tschentenalp, sagt auf die entsprechende Frage nur: «Bestimmt!» – und lacht.

In Tat und Wahrheit ist wohl seine jahrzehntelange Erfahrung der Schlüssel des Erfolgs. Am Rande seiner mittlerweile traditionellen Jahresmedienkonferenz erzählt er, dass er im Zürcher Oberland neben derjenigen Bobbahn aufgewachsen sei, wo 1961 die Weltmeisterschaft im Schlitteln stattgefunden habe. Dort sei er jeweils auch heruntergefahren und habe gar an Rennen teilgenommen. Die Journalisten lächeln bei diesen Worten noch müde – bis sie Maurer in Aktion erleben.

Man glaubt es ihm, als er – während er auf halber Strecke eine Pause einlegt, um den Rest der Truppe aufrücken zu lassen – sagt: «Ich finde es eben noch geil.»

Es sind saloppe Äusserungen wie diese, die in Erinnerung bleiben, wenn man auf die sechs Jahre des Zürcher Oberländers an der Spitze des VBS zurückblickt. Es sind aber auch politische Niederlagen, die er in dieser Zeit einstecken musste – allen voran das Grounding des Gripen, der ersten armeepolitischen Vorlage seit langem, die in der Bevölkerung keine Mehrheit fand.

Maurer wurde damals für die unausgegorene Abstimmungskampagne kritisiert. In seinem persönlichen Rückblick auf die Amtszeit schob er die Schuld allerdings – ohne ihn namentlich zu nennen – auf seinen Vorgänger Samuel Schmid. «Ich habe die Flugzeuggeschichte geerbt», sagte er. Die Situation sei zuvor falsch und naiv eingeschätzt worden.

Stolz ist Maurer darauf, dass es ihm gelungen ist, das Armeebudget bei (voraussichtlich) fünf Milliarden Franken jährlich festzusetzen – via Parlament und gegen den Willen des Bundesrats. Er verlasse das Verteidigungsdepartement deshalb «mit einem guten Gefühl».

In die Arbeit seines Nachfolgers Guy Parmelin will er sich nicht einmischen – und auch zu seinen Plänen im Finanzdepartement äussert er sich noch nicht. Dafür müsse man ihm die üblichen hundert Tage in der neuen Funktion gewähren. Auf Nachfrage sagt Maurer jedoch, dass er entgegen kursierenden Gerüchten nicht mit einem baldigen Abgang von Armeechef André Blattmann rechne. Für ihn würde ein Wechsel frühestens per Ende 2016 Sinn machen. «Herr Blattmann macht seine Sache gut. Er ist kein Notfall, den man sofort lösen muss», so Maurer.

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