Gegen «kommunale Inkompetenz»

Ex-Sekretäre Christian Hanser, Ruedi Meier, Martin Stokar und der heutige Geschäftsführer Hans Weber (v.l.). (Bild: fmb)

regionthal.jpg

Ex-Sekretäre Christian Hanser, Ruedi Meier, Martin Stokar und der heutige Geschäftsführer Hans Weber (v.l.). (Bild: fmb)

Nur noch eine Gemeinde im Thal – so der Vorschlag der drei ehemaligen Sekretäre des Vereins Region Thal. Sie stellten aber anlässlich des 40. Geburtstags der Regionalplanungsgruppe nicht nur provokative Visionen auf, sondern blickten auch auf ihre Tätigkeit zurück.

Fabian Muster

Für den 40. Geburtstag hatte sich der Verein Region Thal am Donnerstagabend im Pfarreiheim in Balsthal etwas Spezielles ausgedacht. Nach der alljährlichen Delegiertenversammlung (siehe Text rechts) wurden die drei Vorgänger des jetzigen Geschäftsführers Hans Weber eingeladen: Ruedi Meier (1980-1982), Christian Hanser (1982-1990) und Martin Stokar (1990-2003). Unter dem Titel «40 Jahre Region Thal. Was bringt die Zukunft?» erzählten die drei Regionssekretäre - wie sie früher noch genannt wurden - von anno dazumal und blickten in die Zukunft.

«Thal muss Vision verfolgen»

So richtig spannend wurde die Veranstaltung erst am Schluss mit Einbezug des Publikums. Die Frage aus der Mitte, wie viele Gemeinden das Thal vertrage, liess die nicht durch Thaler Wurzeln geprägten Herren unisono zu einer provokativen Antwort greifen: «Nur eine.» Einzig Martin Stokar ergänzte zur allgemeinen Erheiterung: «Zwei Gemeinden mit Matzendorf und Balsthal als Zentrum - nur Mümliswil-Ramiswil erhält eine Übergangsfrist von 25 Jahren.» Interessanterweise zeigten die anwesenden Gemeindepräsidenten keinerlei Reaktion, obwohl sich die meisten jüngst dagegen ausgesprochen hatten.

Christian Hanser zeigte sich dabei als eifrigster Verfechter einer Fusion: Die «kommunale Inkompetenz» könne vermieden, Effizienz und Produktivität erhöht sowie Kosten eingespart werden. Er stellte unliebsame Fragen wie: «Muss jedes Dorf eine Primarschule haben?» Der Bezirk müsse eine Vision verfolgen, etwa sich als Wohnregion vermarkten und attraktive Steuermodelle anbieten. Ruedi Meier hingegen mahnte zu einem Tempo mit «Thaler Werten»: «Ich finde zwar auch, dass es nur eine Gemeinde braucht, aber das Zusammengehen kann man nicht erzwingen.» Trotzdem müsse man sich Strategien setzen, an denen dann die Strukturen ausgerichtet werden; bei einer Fusion zu einer Gemeinde etwa die Zentralisierung von Verwaltung und Infrastruktur.

Im ersten Teil der öffentlichen Veranstaltung, zu der sich kaum weitere Personen zu den bereits anwesenden Delegierten und Vorstandsmitgliedern einfanden, erzählten die Regionssekretäre aus der damaligen Zeit. Ruedi Meier, erster Sekretär und heutiger Geschäftsführer des Energie-Cluster in Bern, bezeichnete sie als «schöne Spielwiese», als die Regionalplanungsgruppe etwa noch als «WWF vom Thal» bekannt war. «Die Wirtschaftsförderung stand damals im Vordergrund, wir konnten rund zehn neue Betriebe ansiedeln», sagte Meier. Auch Projekte wie eine Lehrstellenbörse wurden bereits umgesetzt.

Sein Nachfolger Christian Hanser, heute Geschäftsleiter des Beratungsunternehmens Hanser und Partner AG in Zürich, erarbeitete ein Entwicklungskonzept, in dem bereits viele Projekte, die heute umgesetzt werden, umrissen waren. Der dritte im Bunde, Martin Stokar, ging dann an die Realisierung dieses Konzepts. Der jetzige Leiter Wissenssystem Neue Regionalpolitik im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bezeichnete sich als «Übergangsgeschäftsführer», da noch nicht absehbar war, ob es in Richtung Industrieansiedlung oder Naturförderung gehe. «Ich habe die Zeit im Thal extrem geschätzt», ihm seien dann aber die Visionen langsam über den Kopf gewachsen, gab er zu.

Naturpark mit 75 Angestellten?

Nach dieser Auffrischung der Erinnerungen diskutierte man unter der Moderation von Hans Weber vor allem über die neue Regionalpolitik, aber auch über die Energieproblematik. Der Kanton Solothurn wurde etwa kritisiert, weil er die Gelder für die Regionalpolitik nicht abholen würde. Angeregt wurde ebenso, dass dem Naturpark nicht nur Naturschutzprojekte, sondern auch die ökonomische Seite wichtig sein müsste. «Wie viele Arbeitsplätze kann er generieren?», sollte laut Hanser eine Leitfrage sein. Er nannte als Beispiel einen mittleren amerikanischen Nationalpark mit rund 75 Angestellten. Und Meier glaubt, dass die Region in Sachen Energieeffizienz und erneuerbaren Energien die Wende hin zu einer alternativen Energieversorgung vorwegnehmen könne - ohne jedoch konkreter zu werden.

Meistgesehen

Artboard 1