Cybermobbing
Gefahr von Cybermobbing wird überschätzt

In der digitalen Welt gilt Cybermobbing als eine der grössten Gefahren für Jugendliche. Doch die Bedeutung des Phänomens wird überschätzt. Dies zeigen zwei Studien der pädagogischen Hochschule Thurgau und der Universitäten Zürich und Bern.

Sabina Galbiati
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Cybermobbing

Keystone

Das aggressive Verhalten mit digitalen Mitteln gegen wehrlose Personen, nimmt oft gravierende Formen an. Der wohl jüngste Fall betrifft die 15-jährige Courtney Barrasford. Auf Twitter lobte sie das neue Album von Justin Bieber. Bieber retweetet den Beitrag, worauf hin das Mädchen von eifersüchtigen Fans Todesdrohungen bekam, schreibt Blick am Abend.

In der Schweiz dagegen scheint Cybermobbing weit weniger verbreitet als bisher angenommen, wie der Schweizerische Nationalfonds in einem Pressecommuniqué mitteilt. Psychologen und Psychologinnen der Pädagogischen Hochschule Thurgau sowie der Universitäten Zürich und Bern haben 950 13- und 14-Jährige mehrmals befragt. Die Jugendlichen stammen aus den Kantonen Tessin, Wallis und Thurgau.

Reales Mobbing dreimal häufiger

Die Analyse der Umfragen zeigt: Mobbing via Facebook, Twitter, Chat, SMS oder Email ist dreimal seltener als Mobbing in der Realität. «Die Ansicht, dass alle Jugendlichen dank der neuen Möglichkeiten gedankenlos drauflosmobben, ist weit von der Realität entfern», sagt Sonja Perren von der Pädagogischen Hochschule Thurgau.

Die Forscher sind überzeugt, Cybermobbing ist kein eigenständiges Phänomen. Im Cyberspace werden häufig diejenigen jugendlichen als «Mobber» auffällig, die ohnehin zu aggressivem und antisozialem Verhalten neigen.

Zwar seien massive Attacken selten, trotzdem rangiert das anonyme und öffentliche Mobbing in der digitalen Sphäre als schlimmstes Szenario. «Cybermobbing kann schlimmer sein als gewöhnliches Mobbing, falls es anonym geschieht und viele Leute erreicht, insbesondere wenn eien Attacke ausser Kontrolle gerät», sagt Perren.

Laut den Forschenden braucht es keine spezielle Prävention. Die klassische Antimobbing-Prävention mit Früherkennung und Vermittlung von Sozialkompetenz und moralischen Werten greife auch in der digitalen Sphäre.