Erziehung

Gefahr Babyschwimmen - Schadstoffe in Hallenbädern können Babys krank machen

Babyschwimmen - nicht für alle Kinder ist's gesund.

Babyschwimmen - nicht für alle Kinder ist's gesund.

Die Chlordämpfe in Hallenbädern können Babys Atemwegserkrankungen auslösen: Davor warnen deutsche Umweltexperten. Auch die Schweizer Behörden kennen das Problem. Ein Vorstoss gegen die schlechte Luft in Hallenbädern ist seit drei Jahren hängig.

Babyschwimmen ist in. Immer mehr junge Mütter gehen mit ihren Kleinen zu den angebotenen Schwimmkursen in Hallenbäder. Was die wenigsten Eltern wissen: Das Planschen im Chlorwasser kann die Sprösslinge anfälliger für Allergien und Atemwegserkrankungen machen. Davor warnt seit gestern das Umweltbundesamt in Deutschland.

Chlor in Verbindung mit Urin

Grund ist das Chlor zur Desinfektion des Schwimmbeckens. Durch die Verbindung mit Schweiss, Urin oder Hauptschuppen der Badegäste setzt das Wasser das giftige Gas Trichloramin frei, das sich über der Wasseroberfläche ansammelt. Diese Trichloramine sind auch für den starken Chlorgeruch in der Umgebung von Hallenbäder verantwortlich. Diese Gase können laut Experten die besonders empfindlichen Wände der Bronchien von Kinder unter zwei Jahren schädigen. Folgen können Asthma und chronische Bronchitis sein oder negative Auswirkungen auf die Lungenentwicklung der Kleinkinder.

Wie Deutschlands oberste behördliche Umweltschützer bei einem Test der Hallenbäderluft festgestellt haben, sind in zahlreichen Bädern die Trichloramin-Werte fast vierzigmal so hoch, wie der, von  der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Grenzwert von 0,5 Milligramm pro Kubikmeter.

Doch wie sieht die Lage in der Schweiz aus? «Die Situation in deutschen Hallenbädern ist mit derjenigen in der Schweiz vergleichbar», sagt Gerard Dozé von der Abteilung Chemikalien beim Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Wie eine Studie des Interkantonalen Labors für Arbeitshygiene (LIST) der Kantone Freiburg, Jura und Neuenburg bereits vor rund drei Jahren festgestellt hat, überschreiten auch hierzulande einige Schweizer Schwimmbäder die Trichloramin-Grenze.

Keine Grenzwerte für Luftschadstoffe in Hallenbädern

Das Problem: «Hierzulande gibt es Normen für die Wasserqualität in Schwimmbädern und die Bauvorschriften, jedoch keine Grenzwerte für Luftschadstoffe in Hallenbädern», sagt Dozé. Das Chemikaliengesetz ermögliche lediglich Empfehlungen zur Verbesserung der Qualität der Innenraumluft.

Deshalb hat das LIST nach der Studie bei der SUVA den Antrag für einen Trichloramin-Grenzwert von 0,3 mg/m3 in Hallenbädern gestellt. Bei diesem Wert beginne nämlich das Personal über Reizungen der Augen, der Haut und der Atemwege klagen. Der Vorschlag, der auch vom Bundesamt für Gesundheit unterstützt wird, ist aber noch immer hängig.

Belgien und Frankreich sind weiter

Andere Länder sind da schon weiter: So gibt es sowohl in den USA, Belgien und Frankreich bereits Normen für die Belüftung geschlossener Schwimmbäder. In Frankreich wird laut Donzé seit einigen Monaten ein spezielles Gerät für die Messung von Trichloramin in der Luft vermarktet. «Dieses könnte in Zukunft auch in der Schweiz verwendet werden», so der Spezialist.

Zustände wie in Frankreich oder Belgien gäbe es in der Schweiz aber nicht. «Die grosse Mehrheit der Schweizer Bäder sind gut betrieben, verfügen über hochwertige Filteranlagen und eine gründliche Wasserreinigung - und somit tiefen Schadstoffwerten.»

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