Die Ehe der heute 25-jährigen Frau aus Sri Lanka war nicht erzwungen, aber sie wurde von ihren Eltern arrangiert. Im Januar 2013 gab sie ihrem Gatten das Ja-Wort. Doch die Hoffnung vom Eheglück starb schon bald. Der Mann, der in der Schweiz lebt, führte nämlich die Liebesbeziehung zu seiner Freundin fort.

Das wiederum akzeptierte die Frischvermählte nicht. Sie trennte sich von ihm nach wenigen Wochen. Damit löste sie zwar einen Konflikt, zugleich entstand aber ein neuer. Denn ihre Familie unterstützte sie bei der Trennung nicht. Im Gegenteil. Auch Gespräche mit der Familie in der Heimat ein Jahr später konnten sie nicht umstimmen.

Nichtsdestotrotz litt sie gemäss eigenen Angaben an massiven Schlafstörungen sowie an Versagens- und Schuldgefühlen. In einem Moment der Verzweiflung versuchte sie, sich das Leben zu nehmen. Sie schluckte mehrere Tabletten Valium im Glauben, dass ihr Tod sie und ihre Familie aus der "beschämenden" und "unerträglichen" Situation befreien könnte. Dass sie nicht alle vorhandenen Tabletten schluckte, begründet sie damit, dass sie "von Angst überwältigt worden sei". Ihre ältere Schwester habe sie zum Arzt gebracht. Zehn Tage lang musste sie in Sri Lanka stationär behandelt werden. 

Zu kurzer Aufenthalt

Im Februar 2016 wurde die Ehe geschieden. Bereits im Januar 2015 hatte das Migrationsamt des Kantons Zürich die Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung abgelehnt. Es stützte sich dabei auf die Angaben des Bundesamts für Migration. Sie habe sich nur kurz in der Schweiz aufgehalten. Eine Rückkehr in ihre Heimat sei zumutbar. Geschiedene Frauen würden im Norden von Sri Lanka nicht allgemein geächtet, befand dieses Ende 2014. Es bestünden keine Hinweise darauf, dass ihre soziale oder berufliche Wiedereingliederung besonders erschwert wäre. Ihre psychischen Probleme liessen sich auch in Sri Lanka behandeln. Die folgenden Instanzen wiesen ihre Beschwerden ab. 

In einer Beschwerde vor Bundesgericht macht die Frau nichtsdestotrotz wieder einen Härtefall geltend. Ihr Gatte habe sie mit seinem Verhalten psychisch in Not gebracht und in diesem Sinn ihr gegenüber eheliche Gewalt ausgeübt. Indem ihr Ex-Mann eine Liebesbeziehung zu einer anderen Frau geführt habe, sei für sie eine Welt zusammengebrochen. Ihr sei nicht mehr zuzumuten gewesen, die Ehe weiterzuführen. Ihre Bestürzung und der gesellschaftliche Druck hätten sie zum Selbstmordversuch veranlasst. Das sei ein Beweis dafür, dass ihr die Rückkehr in ihre Heimat im Norden Sri Lankas (Distrikt Kilinochchi) nicht zumutbar sei. Dort sehe sie sich als Tochter einer traditionell hinduistischen Familie aus der Mittelschicht gesellschaftlichen Ächtungen ausgesetzt.

Beschwerde abgewiesen

Das Ausländergesetz sieht unter zwei Voraussetzungen die Möglichkeit vor, dass die Aufenthaltsgenehmigung einer geschiedenen Ausländerin, die per Familiennachzug in die Schweiz kam, verlängert wird. Die Ehegemeinschaft muss mindestens drei Jahre lang bestanden haben und die Betroffene muss sich erfolgreich integriert haben. Dazu müssen wichtige persönliche Gründe vorliegen, sprich wenn die Betroffene Opfer ehelicher Gewalt wurde, die Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint.  

Das Bundesgericht hat die Beschwerde gegen die Wegweisung abgewiesen. Es stützt die Argumentation der Vorinstanzen. Einen Härtefall erkennt es nicht. Die Betroffene habe drei Jahre lang mit ihrem Ex-Mann zusammengelebt. Dass eine Ehe nach wenigen Wochen scheitert, weil sich die Eheleute in ihren Vorstellungen über den Partner getäuscht sehen, bilde keine relevante psychische Unterdrückung. Die Richter erkennen deshalb keine relevante Form von ehelicher Gewalt. Sie lege auch nicht dar, inwiefern ihr in der Heimat eine konkrete Gefahr drohe. 

Urteil: 2C_837/2016