Rauchverbot
Gastro-Suisse-Direktor: «Raucher konsumieren überdurchschnittlich viel»

Im Interview sagt Gastro-Suisse-Direktor Bernhard Kuster, warum sein Verband gegen ein schärferes Rauchverbot kämpft. Obwohl er Verständnis für die Lungenliga hat, befürchtet er ein Rauchverbot über die Hintertür.

Lorenz Honegger
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Kuster auf dem Dach des Gastro-Suisse-Hauptsitzes in Zürich.

Kuster auf dem Dach des Gastro-Suisse-Hauptsitzes in Zürich.

CHRIS ISELI

Herr Kuster, rauchen Sie?

Bernhard Kuster: Ich rauche Zigarren, das ist für mich ein Genuss. Aber nur abends, um mich zu entspannen. Zigaretten rauche ich keine.

Darf man am Hauptsitz der Gastro Suisse rauchen?

Nein, wir haben seit mehreren Jahren ein Rauchverbot, was bei Mehrplatzbüros auch gesetzlich vorgeschrieben ist.

Haben Sie ein Fumoir?

Nein. Das ist eine Frage des Geldes. Man müsste eine Lüftung installieren. Für unsere Mitarbeiter ist das kein Thema. Sie gehen ins Freie, um zu rauchen. Im Gastgewerbe, wo man allen Gästen etwas bieten will, ist es nicht besonders kundenfreundlich, sie im Freien rauchen zu lassen.

Sind Raucher die besseren Gäste?

Man kann es nicht verallgemeinern. Auch Nichtraucher sind gute Gäste, aber Fakt ist, dass die Raucher überdurchschnittlich viel konsumieren. Das sind Leute, die gern geniessen, auch mal ein zweites Gläschen Wein trinken und in der Regel eine etwas teurere Flasche kaufen als Nichtraucher.

Am 23. September stimmen wir über die Initiative «Schutz vor Passivrauchen» der Lungenliga ab, die bediente Fumoirs und Raucherbeizen verbieten will. Ihr Verband ist dagegen. Warum genügen Ihnen unbediente Fumoirs nicht?

Die Ambiance ist in der Gastrobranche etwas ganz Wichtiges. In unbedienten Fumoirs muss der Gast aufstehen und sich das Getränk selber holen. Das wollen unsere Mitglieder nicht, denn so geht die Gastfreundschaft verloren.

Das kann nicht Ihr einziges Argument sein.

Unsere Mitglieder stört es, dass sie bei der Betriebsführung bevormundet werden. Auch der Lärm ist ein Faktor, vor allem in den Städten. Wenn die Leute zum Rauchen nach draussen gehen, verursacht das automatisch Probleme.

Verstehen Sie, dass es gesundheitspolitisch Sinn macht, möglichst viele Menschen vom Rauch fernzuhalten?

Rauchen ist ungesund, keine Frage. Wenn jemand nicht rauchen und auch nicht dem Passivrauch ausgesetzt sein will, so muss man dies sicherstellen. Niemand muss im Gastgewerbe gegen seinen Willen Passivrauch einatmen.

Was ist mit dem Personal in den Raucherbeizen und den Fumoirs?

Das sind etwa sechs Prozent aller 215000 Angestellten des Gastgewerbes. Wir gehen von 12000 bis 13000 Mitarbeitern aus.

Ist es nicht bedenklich, wenn 12000 bis 13000 Gastroangestellte täglich im Rauch arbeiten müssen?

Man findet ohne Probleme Mitarbeitende, die im Fumoir arbeiten wollen. Denn über die Hälfte aller Angestellten raucht selber. Im Kanton Bern sind es gemäss einer Studie aus dem Jahr 2008 rund 63 Prozent. Ausserdem braucht der Arbeitgeber eine schriftliche Zustimmung von jedem Mitarbeiter.

Wissen Sie denn auch, wie viele Fumoir-Angestellte Nichtraucher sind?

Nein, dazu haben wir keine Statistik. Von unseren Mitgliedern höre ich, dass es Raucher sind.

Wie erleben Sie die Initianten, namentlich die Lungenliga?

Als sehr, sehr, sehr extrem. Die Aufgabe der Lungenliga liegt wohl darin, das Rauchen möglichst einzuschränken. Das kann ich verstehen. Was ich nicht verstehe, ist, warum sie das Rauchen über die Hintertür verbieten will.

Wie stark engagiert ist Ihr Verband im Nein-Komitee?

Wir haben unseren Mitgliedern verschiedene Unterlagen zugestellt. Und wir haben rund 400000 Bierdeckel mit der Nein-Parole verschickt.

Hinzu kommen Inserate und Plakate. Wie viel Geld haben Sie zur Dachkampagne beigesteuert?

Das sagen wir nicht. Für unsere Verhältnisse ist es ein schöner Betrag. Für eine eidgenössische Kampagne ist es aber eher wenig. Es wäre schön, wenn wir mehr Geld investieren könnten.

Woher kommt das restliche Geld? Die Lungenliga hat ihr Budget ja auch offengelegt.

Da müssen Sie die FDP fragen, die die Kampagne leitet.

Die drei Tabakkonzerne stecken doch Millionen in die Kampagne.

Davon ist mir nichts aufgefallen. Ich frage mich schon, wo diese angeblichen Millionen geblieben sind. Im Gegenteil: Ich wäre froh, die Tabakfirmen würden sich engagieren. Wir haben keinen Kontakt zu ihnen.

In den Abstimmungsinseraten behaupten Sie, unbediente Fumoirs würden bei Annahme der Initiative verboten. Jeder halbwegs politisch informierte Bürger weiss, dass das nicht stimmt.

Doch, es stimmt. Grundsatz der Initiative ist ein Verbot von unbedienten Fumoirs. Im Initiativtext steht, dass das Rauchen insbesondere in Innenräumen von Restaurants und Hotelbetrieben verboten ist und dass das Parlament im Nachhinein Ausnahmen bestimmen kann. Eine Ausnahme für unbediente Fumoirs wird es aber nicht geben, dafür wird sich nach einem Volks-Ja keine Mehrheit im Parlament mehr finden lassen.

Tatsächlich? Bei der Zweitwohnungsinitiative bemüht sich das Parlament ja sehr stark darum, den Initiativtext mit Ausnahmen zu verwässern. Ausserdem: Das Bundesamt für Gesundheit hat bestätigt, dass es auch künftig unbediente Fumoirs geben wird. Behaupten Sie einfach so lange etwas Falsches, bis es die Leute glauben?

Das Bundesamt für Gesundheit ist keine neutrale Stelle, sondern Partei in der Raucherfrage.

Es vertritt im Abstimmungskampf die Position des Gesamtbundesrates, und der ist gegen die Initiative. Wo liegt Ihr Problem?

Alle Bundesämter haben ein Eigenleben. Beim Bundesamt für Gesundheit ist es offensichtlich, wo es steht. Schauen Sie sich nur die Pressemitteilung zur Initiative an, die im Internet aufgeschaltet wurde. Gleich daneben finden Sie Links zu Studien, die den gesundheitspolitischen Aspekt von Rauchverboten hervorheben – damit spielt das Bundesamt für Gesundheit hinter dem Rücken des Bundesrates in die Hände der Lungenliga.