Späte Einsicht

Garbanis spätes Geständnis: «Ja, ich bin sicher eine Alkoholikerin»

Valérie Garbani

Valérie Garbani

Die ehemalige Neuenburger Stadträtin hat vor vier Jahren mit ihren Alkohol-Exzessen landesweit für Aufsehen gesorgt. Sie musste später deswegen abtreten. Nun gesteht sie offen ein: «Ich bin eine Alkoholikerin».

Lange war von der ehemaligen Neuenburger SP-Stadträtin Valérie Garbani nichts mehr zu hören. Garbani hatte 2008 landesweit für Schlagzeilen gesorgt, als sie in Neuenburg sturzbetrunken randalierte und dabei auch Polizisten attackiert hat. 2009 nahm sie den Hut.

Jetzt erklärt sich die heute 46-Jährige erstmals öffentlich und zwar in der Neuenburger Studentenzeitschrift «AJM». Und macht dabei klar, dass sie ein Problem mit dem Alkohol hat. «Ja, ich bin sicher eine Alkoholikerin», gesteht sie offen ein. Sie habe nach ihrem Rücktritt im April 2009 1,5 Jahre lang aufgehört, dann sporadisch wieder begonnen. Heute trinkt sie wieder.

«Es hat alles gestimmt»

Alles, was die Medien damals über ihre Alkoholsucht geschrieben hätten, sei richtig gewesen, blickt sie zurück. Sie hätte deswegen auch nichts dementiert.

Nur hat Garbani sich damals nicht als Alkoholikerin gesehen. Das waren für sie Leute, die vom frühen Morgen bis am späten Abend trinken. Sie habe das nicht getan. Erst später habe sie akzeptieren gelernt, dass sie ein Alkoholproblem habe. «Ich bin eine Nachtschwärmerin, also jemand, der in Gesellschaft säuft. Ich weiss, dass, dass ich zur Gewalttätigkeit neige und die Kontrolle verliere, wenn ich trinke. Es ist mir nicht gelungen, das zu akzeptieren und meine Gewohnheiten zu ändern.»

Scharfe Kritik an Jean Studer

Wenig Schmeichelhaftes erzählt sie auch über ihre Partei, die SP. Sie hätte nur wenig politische Freunde gehabt. Ihr Auftritt und ihre steile Karriere hätten vielen nicht gepasst. Kein gutes Haar lässt Garbani am Neuenburger SP-Regierungsrat und heutigen Bankratspräsidenten der Schweizerischen Nationalbank (SNB) Jean Studer. Sie bezeichnet ihn geradewegs als Lügner. So habe dieser in der SP behauptet, sie zum Rücktritt bewogen zu haben - was laut Garbani nicht stimmt.

Mehr Support bekam sie von Wählerinnen und Wählern. Sie habe viele Unterstützungsbriefe bekommen. «Es gab auch Briefe, in denen ich beschimpft wurde. Die kamen aus der Deutschschweiz», so Garbani. Daneben erhielt sie auch Heiratsanträge. Die lustigsten Briefe kamen allerdings aus dem Wallis. Mehrere Walliser hätten sie eingeladen, mit ihnen ein Glas zu trinken.

Zurück in die Politik

Garbani schliesst nicht aus, in die Politik zurückzukehren. Allerdings nicht in Neuenburg, sondern dann in Genf. Was Garbani heute macht, ist unklar. Sie kann sich eine Zukunft als Journalistin vorstellen. Am liebsten beim welschen Radio Couleur 3. «Ich liebe dieses Radio.» Garbani ist zur Zeit auch als Bloggerin unterwegs, auf lesquotidiennes.ch. (rsn)

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