Niederwil
«Ganz spontaner Entscheid»

In Niederwil hat sich doch noch ein Kandidat für das Gemeindepräsidium gefunden. Er heisst Jürg Tucci, wohnt seit April 2008 im Dorf und hat sich ganz spontan für den Einstieg in die Gemeindepolitik entschieden.

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Jürg Tucci

Jürg Tucci

Solothurner Zeitung

Rahel Meier

«Ich habe immer gehofft, dass sich doch noch eine Lösung ergibt und wir der drohenden Sachwalterschaft entkommen», erklärte Niederwils Gemeindeschreiber Peter Nydegger gestern. «Ein Sachwalter kann die Gemeinde nicht gleich gut führen, wie ein Einwohner.» Nydegger ist seit neun Jahren Gemeindeschreiber und hoffte auf eine Fusion im Unterleberberg. «Ich werde mein Amt im Moment sicher weiterführen, damit Kontinuität gewährleistet ist.» Auch Finanzverwalter Marcel Meister stellt sich weiter zur Verfügung.

«Meinen Sie das ernst?»

Dass Jürg Tucci als Gemeindepräsident kandidiert ist einem Zufall - und Gemeindeschreiber Peter Nydegger - zu verdanken. Niederwil hatte zu einem Neuzuzüger-Apéro geladen, musste diesen aber absagen. Der Apéro wurde dann im Anschluss an die letzte Gemeindeversammlung durchgeführt. Jürg Tucci weilte zu diesem Zeitpunkt im Ausland, entschuldigte sich und schrieb gleichzeitig, dass er bedaure, dass Günsberg die Fusion abgelehnt habe und dass er hoffe, dass sich doch noch eine Lösung für Niederwil finde.

«Ich habe ihm geantwortet und ihn gefragt, ob er interessiert wäre, das Gemeindepräsidium zu übernehmen. «Meinen Sie das ernst?», fragte Tucci zurück. «Schon bald darauf kam es zu einem Gespräch, an dem auch Marcel Meister und Gemeinderat Andreas Fluri teilnahmen», erklärt Nydegger. Spontan, noch am selben Abend, hat sich Jürg Tucci darauf zur Verfügung gestellt.

Einer muss zurücktreten

Wird Tucci gewählt, dann muss einer der jetzt still gewählten Gemeinderäte zurücktreten. «Alle sind darüber informiert, und werden in der ersten Sitzung nach den Schulsommerferien diskutieren, wie es weitergehen soll.»

Wieso stellt sich Jürg Tucci als Gemeindepräsident zur Verfügung? Darauf angesprochen lacht er erst mal und meint: «Ja, wieso macht man so etwas?» Er sei ein Basler und ein Zugezogener und wisse im Moment nicht, ob er und seine Kandidatur von der Bevölkerung überhaupt akzeptiert werde. «Ich habe mich bisher nicht politisch engagiert und gehöre keiner Partei an.»

In einem Flugblatt, das am Donnerstag als Information an die Einwohner in Niederwil verteilt wird, schreibt Tucci «Nicht lange Worte, sondern Taten widerspiegeln meine Wesensart». Tucci möchte sich denn auch aktiv dafür einsetzen, dass es im Unterleberberg doch noch zu einer Fusion kommt.

Er ist ausserdem davon überzeugt, dass er sich von seinen beruflichen Qualitäten her, einigermassen rasch in sein neues Amt einarbeiten könnte. «Aktenstudium bin ich mir gewöhnt.» Er sei sich bewusst, auf was er sich einlasse und wisse, dass er 200 bis 300 Stunden pro Jahr in das Gemeindepräsidium investieren müsse.

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