Samstagmorgen auf dem Militärflugplatz Payerne. Gunnar «Gandalf» Jansen, Leader der Patrouille Suisse, bereitet mit seinen Pilotenkollegen den Einsatz vor. Die technischen Hilfsmittel sind die gleichen wie 1976, als die F5-Tiger-Jets gebaut worden sind: Lineal, Filzstift und eine Landkarte im Massstab 1:100'000. Ein Zentimeter bedeutet einen Kilometer oder fünf Sekunden Flugzeit.

Jansen plant den Anflug auf Langenbruck BL von Nordost. Vierzig Sekunden lang sollten die rot-weissen Jets geradeaus über einem Tal fliegen, dann um Punkt elf Uhr über der Oberbaselbieter Gemeinde auftauchen und zu Ehren des 100. Todesjahres von Flugpionier Oskar Bider vier Formationen präsentieren.

Armee bestätigt Missgeschick von Patrouille Suisse

Armee bestätigt Missgeschick von Patrouille Suisse

Die Patrouille Suisse führte ihre Flugshow am Samstagabend im falschen Dorf aus. Anstatt an einer Gedenkfeier in Langenbruck flogen sie über das Jodelfest im Nachbarort.

Zwanzig Sekunden vor der geplanten Ankunft geht ein Funkspruch im Cockpit ein. Die Einsatzzentrale meldet, dass ein Helikopter in die Sperrzone eingedrungen ist, welche die Luftwaffe für die Show eingerichtet hatte. Jansen blickt auf seine Instrumente und überprüft, wo sich der Helikopter befindet und ob eine Gefahr besteht. Entwarnung. Als er von seinen Instrumenten aufblickt, sieht er in der ersten Linkskurve ein Dorf unter sich mit einem weissen Festzelt. Er steuert es an und vollführt mit seinen Kollegen vier Formationen: Doppelpfeil, Delta, Schwan und wieder Doppelpfeil.

Immerhin die Jodler hatten eine Freude

Erst als die Piloten zurück in Payerne aus ihren Cockpits klettern, erfahren sie von ihrem Fehlmanöver. Das Dorf mit dem weissen Festzelt war nicht Langenbruck BL, sondern Mümliswil SO, das Nachbardorf. Dort fand das Nordwestschweizer Jodlerfest statt. Jansen erschrickt. Hat er die Jodler mit dem Kampfjetlärm gestört? Er meldet sich beim Organisator. Dieser beruhigt ihn, die Flugshow habe gut ins Programm gepasst und die Gäste hätten sich gefreut.

Jansen ist 36 Jahre alt und hat 2500 Flugstunden auf dem Tacho. Er trägt den Fliegernamen «Gandalf», weil er in der Flugschule mit 21 schon mehr weisse Haare hatte als alle Lehrer zusammen. Er sagt:

Die Patrouille Suisse hat den Auftrag, die Leistungsfähigkeit, die Präzision und die Einsatzbereitschaft der Schweiz im In- und Ausland zu demonstrieren. Gandalfs Worte dazu:

Der Team-Leader der Patrouille Suisse kündigt eine Massnahme an, um derartige Irrflüge in Zukunft zu verhindern. Heute hat die Kunstflugstaffel nur bei Vorführungen einen Kommandanten am Boden. Bei sogenannten Überflügen wie in Langenbruck ist niemand vor Ort, der über Funk eingreifen könnte. Ab sofort werde der Kommandant bei allen Shows am Boden präsent sein.

Die Militärjustiz trifft Abklärungen

Der Vorfall könnte auch juristische Konsequenzen haben. Die Militärjustiz prüft derzeit, ob sie eine Untersuchung eröffnet, wie ein Sprecher auf Anfrage sagt.

Derzeit ist bei der Anklagebehörde bereits ein Fall der Patrouille Suisse hängig. Sie führt eine Untersuchung gegen einen Piloten, der in einen Absturz in Holland vor drei Jahren verwickelt war. Er verlor die Kontrolle über seinen Jet, kollidierte mit einem Kollegen und betätigte den Schleudersitz. Das Resultat: leichte Verletzungen beim Piloten und Totalschaden am Flugzeug.

Auch wegen der zweiten Kunstflugstaffel der Armee, dem PC-7 Team, läuft eine Untersuchung der Militärjustiz. Vor zwei Jahren touchierte ein Flugzeug an der Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz das Zugseil einer Seilbahnkamera von SRF. Das Resultat: Hunderttausende Franken Sachschaden, aber keine Verletzungen.

Aus der Zauber

In «Herr der Ringe» sprach Zauberer Gandalf: «Im Zweifelsfall sollte man immer seiner Nase folgen.» In der Kunstfliegerei scheint sich das Motto nicht zu bewähren.

Und das meint unser Karikaturist dazu. (Karikatur: Silvan Wegmann/CH Media)

Und das meint unser Karikaturist dazu. (Karikatur: Silvan Wegmann/CH Media)