"Der Islam ist die jüngste Religion, und wenn man nur einen Glauben haben darf, dann muss dies der Glaube an Mohammed sein", sagte Gaddafi am Montag in Rom vor rund 200 Frauen, wie eine Teilnehmerin berichtete. Frauen würden "in Libyen mehr respektiert als im Westen", fügte er demnach hinzu.

Am Sonntagabend hatte Gaddafi bereits vor 500 Italienerinnen für seine Religion geworben. "Europa muss zum Islam konvertieren", hatte er laut einer Zuhörerin gesagt.

Die Frauen hatten von einer Agentur 80 Euro für ihre Teilnahme an dem Treffen mit dem libyschen Revolutionsführer erhalten. Bereits im November hatte Gaddafi am Rande des Welternährungsgipfels in Rom 100 junge Italienerinnen eingeladen, um ihnen seine Religion näher zu bringen.

Entwürdigende Darstellung

Die Vorsitzende des Italienischen Feministischen Zentrums, Maria Pia Campanile, kritisierte diese Begegnungen scharf. Die Frauen seien "unter der Bedingung rekrutiert worden, dass sie jung und schön sind und den Mund halten", sagte Campanile.

Mario Borghezio von der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega Nord sprach von einem "gefährlichen Projekt der Islamisierung Europas".

Die Oppositionspartei Italien der Werte stellte am Montag vor der libyschen Botschaft in Rom ein "Zelt der Legalität" auf, um nach eigenen Angaben auf Verstösse gegen die Menschenrechte in dem nordafrikanischen Land aufmerksam zu machen.

Anlass für Gaddafis Rom-Besuch war der zweite Jahrestag der Unterzeichnung des Freundschaftsabkommens zwischen beiden Ländern. Italien hatte Libyen als Entschädigung für die Kolonialzeit mehrere Milliarden Euro in Form von Projektinvestitionen zugesagt.