Libyen - Italien

Gaddafi provoziert bei erstem offiziellem Besuch in Rom

Gaddafi und Berlusconi in Rom

Gaddafi und Berlusconi in Rom

Begleitet von Protesten und unter starken Sicherheitsvorkehrungen ist der libysche Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi zu seinem ersten offiziellen Besuch in Italien eingetroffen. Ministerpräsident Silvio Berlusconi empfing Gaddafi auf dem römischen Flughafen Ciampino.

Die dreitägige Visite wird von italienischer Seite als "historischer" Höhepunkt der Wiederannäherung zwischen der Ex-Kolonialmacht Italien und dem nordafrikanischen Ölstaat gewertet.

"Ich bin hier am heutigen Tag, weil Italien sich entschuldigt hat", erklärte Gaddafi nach einem Treffen mit dem italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano. "Denn der materielle Wert der italienischen Entschädigungszahlungen würde niemals dem entsprechen, was Italien am libyschen Volk verbrochen hat."

Die Grundlage für seinen ersten offiziellen Besuch in Italien seit der Machtübernahme vor 40 Jahren hatte der Revolutionsführer mit Berlusconi im Herbst 2008 mit einem Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit gelegt.

Gaddafi lobte die "mutige Generation der Italiener, die dieses neue Kapitel der Freundschaft" ermöglicht habe. Napolitano sprach vom "Beginn einer neuen Ära".

Italien hatte sich in dem "Freundschaftsvertrag" verpflichtet, Tripolis fünf Milliarden Dollar Entschädigung für die Kolonialzeit zu zahlen und setzt seinerseits auf eine verstärkte energiepolitische Kooperation. Das Geld fliesst in Bauvorhaben in Libyen, die von italienischen Firmen ausgeführt werden.

Der Revolutionsführer machte es seinen Gastgebern nicht leicht: Er erschien am Mittag eine Stunde später als geplant und hatte sich bei der Begrüssung das provokante Foto eines "Helden" des anti-italienischen Widerstands in Libyen an die Uniform geheftet.

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