Jeden Tag müssen in der Schweiz drei Bauernhöfe ihren Betrieb einstellen. Die Zahl der Betriebe sinkt seit Jahren rasant.

Gab es 2008 noch fast 54000 Höfe, sind es heute bereits weniger als 47000.

Die Kleinbauervereinigung führt diese Entwicklung auf eine verfehlte Politik zurück.

Da die Höhe der Direktzahlungen von der Fläche abhänge, müssten die Bauern «auf Biegen und Brechen» mehr Land bewirtschaften, sagt Geschäftsleiterin Barbara Küttel. Fakt ist: Seit der Abschaffung einer Obergrenze für Direktzahlungen profitieren Grossbetriebe übermässig: Wie Zahlen zeigen, erhalten die zehn Prozent grössten Bauernbetriebe gut einen Viertel der Direktzahlungen – also rund 700 Millionen von insgesamt 2,9 Milliarden Franken.

Die Kleinbauernvereinigung kritisiert diese «Auswüchse» und warnt vor den Folgen. Küttel: «Der Strukturwandel wird vorangetrieben, mehr Bauernbetriebe müssen schliessen.» Deshalb brauche es eine Obergrenze: Ein Bauernbetrieb soll maximal noch 150000 Franken Direktzahlungen pro Jahr erhalten.

Umverteilung an die Kleinen

Freilich ist es nicht so, dass Bundesgelder wahllos ausbezahlt werden. Direktzahlungen sind an Leistungen geknüpft: Wer mehr tut, erhält auch mehr. Mit diesem Prinzip sind die Kleinbauern grundsätzlich einverstanden. Sie wollen aber, dass kleinere und mittlere Betriebe besser berücksichtigt werden. «Die Feinverteilung der Direktzahlungen stimmt nicht», sagt Küttel.

Besonders die Beiträge für die Versorgungssicherheit sollen «fairer» verteilt werden. Ihr Vorschlag: «Bis zur dreissigsten Hektare sollen alle Betriebe abgestuft einen Basisbeitrag erhalten, ab der dreissigsten gibt es keinen Beitrag mehr.» Denn die Versorgungssicherheit sei nicht daran zu messen, wie viele Hektaren zu einem Betrieb gehören, sondern wie viele Hände und Köpfe mithelfen, die Versorgung zu gewährleisten, findet Küttel.

«Ökonomisch wenig sinnvoll»

Markus Ritter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes, nimmt die Forderung der Kleinbauern «mit Erstaunen» zur Kenntnis. Er hält den Vorschlag für «ökonomisch wenig sinnvoll»: «Wenn wir die Zahlungen bei einzelnen Beiträgen nach Grösse des Hofs abstufen und jene bevorteilen, die klein sind, nehmen wir den Bauern jegliche Anreize, sich zu entwickeln.» Gemäss Ritter gehört der grösste Teil der Bauern, die mehr als 150000 Franken Direktzahlungen pro Jahr beziehen, einer Generationen- oder Betriebsgemeinschaft an. Das sind Bauernfamilien, die ihre Betriebe zusammengeschlossen haben.

Ritter erklärt deren Vorteile: «Solche Gemeinschaften können Maschinen besser auslasten, effizienter produzieren, aber auch die Freizeit besser einteilen.» Mit einer Obergrenze würden solche Formen der Zusammenarbeit abgestraft, viele würden sich wieder auflösen, sagt Ritter.

Einzelne schwerreiche Bauern

Auch für Kathrin Bertschy, GLP-Nationalrätin und Ökonomin aus dem Kanton Bern, widerspricht die Forderung der Kleinbauern der Agrarpolitik des Bundes, welche die Bundesbeiträge an Leistungen knüpft. «Trotzdem habe ich ein gewisses Verständnis dafür», sagt Bertschy.

Bei den sogenannten Versorgungssicherheitsbeiträgen funktioniere das leistungsorientierte System eben nicht: «Es ist nicht zielführend, wenn Geld an grosse Höfe in günstiger Lage ausbezahlt wird, welche die Produktion auch ohne Hilfe des Staats aufrechterhalten können.»

Nicht zum ersten Mal zetteln die Kleinbauern mit ihrer Forderung einen Verteilkampf an. Bisher erfolglos. Dies, obwohl 97 Prozent der Bauern deutlich weniger als 150 000 Franken Direktzahlungen erhalten.

Allerdings haben sich die Zahlungen verstärkt zugunsten der Grossbetriebe verschoben: 2008 erhielten vier Betriebe über 300000 Franken im Jahr, 2014 waren es 48.