Zebrastreifen
Fussgängerstreifen: Das Parlament bekämpft die «Todesfallen»

Rund die Hälfte der 45000 Fussgängerstreifen in der Schweiz genügen den Sicherheitsvorschriften nicht. Jährlich sterben auf ihnen rund 25 Menschen und etwa 1000 werden bei Zusammenstössen mit Autos verletzt.

Thomas Schraner
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Die Unfälle häufen sich jeweils in der kalten Jahreszeit oder nachts bei trübem Wetter und schummrigem Licht. Besonders schlimm war es im letzten Winter. Die Schlagzeilen über Unfälle an Zebrastreifen häuften sich landauf landab derart, dass auch die Politik reagierte.

Vom letzten Dezember datieren auch die beiden Postulate, die der Kantonsrat gestern nach engagierter Debatte an die Regierung überwiesen hat - beide ohne die 53 Stimmen der SVP. Der eine Vorstoss von Erstunterzeichnerin Renate Büchi (SP, Richterswil) verlangt, dass die Regierung den Einbau von Reflektoren in Zebrastreifen genauer untersucht. Er soll aufzeigen, was das bringt und wie viel es kostet. Das zweite Postulat von Erstunterzeichner Franco Albanese (CVP, Winterthur) fordert allgemein eine Verbesserung der Sicherheit gemäss dem neuesten Stand der Technik. Genannt werden etwa reflektierende Glasperlen im aufgemalten Streifen, deren Einbau allerdings teurer ist als Reflektoren.

Die SVP gegen alle

Ob Reflektoren oder Glasperlen: Die SVP findet beide Massnahmen untauglich. «Katzenaugen im Boden haben den Nachteil, dass sie im Winter mit Schnee bedeckt und im Sommer schmutzig sind», begründete Ruedi Menzi (SVP, Rüti) das Nein der Fraktion. Das sei eine faule Ausrede, entgegnete Büchi. Zudem müsse man Reflektoren ja nicht flächendeckend einsetzen. Das Postulat verlange nur, dass man die Angelegenheit prüfe. «Es macht doch keinen Sinn, dass man das nicht einmal prüfen darf», sagte sie. Man habe Reflektoren bereits geprüft, sagte der ehemalige Verkehrspsychologe Armin Steinmann (SVP, Adliswil). «Reflektoren bringen selten etwas.»

Lorenz Habicher (SVP, Zürich) argumentierte anders. Es mache keinen Sinn, das Problem mit Massnahmen am Fussgängerstreifen zu bekämpfen. «Es geht um das Verhalten der Fussgänger», betonte er. Ohne vor dem Zebrastreifen anzuhalten, marschierten diese oft kopflos drauflos und pochten auf ihren Vortritt. Das müsse sich ändern. Auch René Isler (SVP, Winterthur), Chef Verkehr der Stadtpolizei Winterthur, sagte, Unaufmerksamkeit seitens der Fussgänger sei eine häufige Unfallursache. Dunkle Kleidung verschärfe das Problem.

Diesen Punkt griff auch Michael Welz (EDU, Oberembrach) auf, der aber beiden Vorstössen zustimmte. «Die Sichtbarkeit der Fussgänger muss besser werden», sagte er. «Es kann doch nicht sein, dass gute Sichtbarkeit für alle Verkehrsteilnehmer gilt – nur für Fussgänger nicht.» Dies provozierte Martin Geilinger (Grüne, Winterthur): Es fehle gerade noch, dass man den Fussgängern Kleidervorschriften mache, von ihnen verlange, mit leuchtender Badehose die Zebrastreifen zu queren statt mit dunklem Mantel. Es stimme zwar, so Geilinger weiter, dass oft mangelnde Aufmerksamkeit im Spiel sei – allerdings seitens der Autofahrer. Reflektoren zur Verbesserung der Sicherheit machten für ihn aber erst Sinn, wenn alle andern Mittel ausgeschöpft sind: Dazu gehören Temporeduktionen, bessere Beleuchtung, Verkehrsinseln in der Strassenmitte oder weniger breite Streifen.

Bericht in zwei Jahren

Für die Überweisung der Postulate stimmten alle Fraktionen von links bis rechts praktisch geschlossen. Er befürchte höchstens, dass der Kanton zu teuren und aufwändigen Lösungen greife, meinte Jörg Kündig (FDP, Gossau). «Fussgänger dürfen keine Todesfallen sein», sagte CVP-Postulant Albanese. Er forderte den Kanton auf, das Nötigste schnell anzupacken. «Wir arbeiten bereits an Verbesserungen», versicherte Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP).Auch Reflektoren würden geprüft. In zwei Jahren muss er seinen Bericht über die möglichen Massnahmen abliefern.