Cup-Randale
Fussball-General Miescher bricht das Schweigen: «Kein Schwarz-Peter-Spiel»

Alex Miescher, Generalsekretär des Schweizerischen Fusballverband sagt, warum er Reto Nause in seiner vernichtenden Cup-Bilanz nicht widersprechen mag. Ansonsten hält er sich bedeckt. Politiker fordern vom SFV künftig mehr Verantwortung.

Stefan Schmid
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SFV-Generalsekretär Alex Miescher.

SFV-Generalsekretär Alex Miescher.

Keystone

Alex Miescher reisst die Arme instinktiv hoch, als er den Pokal den Siegern übergeben hat: Seine Freude ist echt, das Fussballfest auf dem Höhepunkt. Der FC Zürich hat es geschafft. Für den Generalsekretär des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) ist die Welt in Ordnung. Der Glücklichere hat gewonnen und im Stadion, wo der SFV als Veranstalter für den reibungslosen Ablauf zuständig ist, gab es keine Zwischenfälle.

Kein Schwarz-Peter-Spiel

Wenige Stunden später zieht Gemeinderat Reto Nause, zuständig für die Sicherheit ausserhalb der Fussballarena, eine «äusserst kritische Bilanz». Verletzte Polizisten, nicht eingehaltene Abmachungen, Sachbeschädigungen und Plünderungen trübten das Bild vom friedlichen Fussballfest. Selbst Stadtpräsident Alex Tschäppät, ein Fussballfan, stellt Bern als künftigen Austragungsort des Cupfinals infrage.

Am Mittwoch schliesslich fordert die Berner Stadtregierung den SFV offiziell auf, sich finanziell an den entstandenen Schäden zu beteiligen. Die Verbandsbosse aber sind auf Tauchstation. Weder Präsident Peter Gilliéron noch der Generalsekretär wollen Stellung nehmen.

Jetzt aber bricht Miescher, der ehemalige F/A-18-Pilot und Oberst im Generalstab, formell sein Schweigen. «Was sollen wir denn jetzt noch sagen, wo die Stadt Bern bereits eine negative Bilanz gezogen hat», fragt Miescher, der im Kanton Solothurn auf lokaler Ebene für die FDP politisiert. Entweder schliesse sich der Verband der Analyse von Reto Nause widerspruchslos an oder er relativiere diese. «Dann aber stehen wir sofort als Schönfärber da. Auf dieses Schwarz-Peter-Spiel verzichten wir.»

Es ist offensichtlich: Der Verband ist in der Defensive. Die Stadtberner Politik hat die Fussballfunktionäre wie auch die Klubpräsidenten des FC Basel und des FC Zürich vor dem Cupfinal in die Verantwortung genommen. In einer Vereinbarung, die der «Nordwestschweiz» vorliegt, wurde bis in Details geregelt, wer wofür zuständig ist. Der Verband hat sich namentlich verpflichtet, für die Sicherheitskosten eine Rückstellung von 200 000 Franken vorzunehmen. Auch für die Klubpräsidenten Bernhard Heusler (Basel) und Ancillo Canepa (Zürich) gibt es klare Vorgaben. Hätten sich die Fans vorbildlich verhalten, dann sollte dieses Verhalten von den Klubpräsidenten öffentlich gelobt werden. Bei Ausschreitungen wäre eine klare Distanzierung fällig geworden.

Allein: Niemand hielt sich an dieses Drehbuch. Während Heusler sämtliche Rapporte abwarten will, ehe er sich äussert, schob Canepa sehr zum Ärger der Berner Polizei die Schuld an den Sachbeschädigungen «Krawalltouristen» in die Schuhe.

Politik fordert Verantwortung

Bundespolitiker kritisieren das Verhalten von Verband und Vereinen: «Der Verband und die Klubs wollen die Fankurven nicht verärgern. Darum sagen sie nichts», sagt etwa Aline Trede (Grüne/BE). Beide müssten künftig mehr Verantwortung übernehmen. SP-Nationalrat Matthias Aebischer hält dem SFV zwar zugute, dass er punkto Fanarbeit bereits einiges getan habe. Doch es brauche noch mehr Einsatz und Mittel. «Der Verband muss den Lead übernehmen.»

Verband droht Bern

In den nächsten Tagen soll nun eine Aussprache mit allen Beteiligten stattfinden. Geklärt werden muss die finanzielle Beteiligung des Verbandes wie auch der künftige Austragungsort des Cupfinals. Der Verband wird vermutlich für Bern kämpfen. Es sei Tradition, dass das Endspiel in der Bundesstadt stattfinde, lautet dessen Argumentation. Sollte sich die Stadt Bern - wie in Aussicht gestellt - weigern, unter diesen Umständen Finalspiele durchzuführen, dann dürfte Fussball-General Miescher mit dem Entzug von Länderspielen drohen. Es gebe kein Recht, nur noch Gala-Spiele austragen zu dürfen, sagte er vor dem Cupfinal.

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