Fusion

«Fusionitis» in Aarau: Nachbargemeinden nur bedingt erfreut

Der Aarauer Stadtrat wird aktiv in Sachen Zusammenarbeit und Zusammenschlüssen mit Nachbargemeinden. Das Ziel der Legislatur 2010–13 fusst auf dem SP-Postulat «Eine Region – eine Stadt». Dieses verpflichtet die Exekutive zu einem offensiveren Vorgehen. Bisher nahm der Stadtrat eine abwartende Haltung ein. Die Reaktionen aus den umliegenden Gemeinden sind zurückhaltend.

Dies ergibt eine Umfrage bei den Gemeindeammännern. Dieter Hauser (Küttigen) zitiert das Gemeindeentwicklungskonzept, in dem steht: «Wir sind eine eigenständige Gemeinde, welche offen ist für vielseitige Zusammenarbeitsformen mit benachbarten Gemeinden». Hauser schliesst daraus, «für Küttigen ist kein Handlungsbedarf für Fusionsgespräche gegeben». Die verstärkte Zusammenarbeit, wie an der Entwicklungskonferenz im Februar angestossen, habe Priorität.

Einzig Oberentfelden ernsthaft interessiert

«Zur Zeit keine Gründe» für Fusionsgespräche mit Aarau sieht auch Markus Lüthy (Erlinsbach): «Solange Erlinsbach noch in zwei politische Gemeinden in zwei Kantonen aufgeteilt ist, haben wir genügend ‹Fusionspotenzial› im eigenen Dorf.» Man nehme das Gespräch mit Aarau aber gern auf, um eine engere Zusammenarbeit auszuloten.

Für Ruedi Berger (Oberentfelden) hingegen ist ein «Zusammenschluss mit einer oder mehreren Nachbargemeinden ein ernsthaftes Thema» in der laufenden Diskussion über die Legislaturziele des Gemeinderats. Es freue ihn sehr, so Berger, «dass Aarau endlich in die Offensive geht und seine Leader-Funktion in der Region besser wahrnehmen will». Eine Bedingung für Fusionsverhandlungen wäre das Mitmachen von Unterentfelden, das Oberentfelden mit Aarau territorial verbindet.

Kein Gegengewicht zu Aarau

Die Zukunftskonferenz von Unterentfelden im November 2008 förderte viele Begehrlichkeiten wie Begegnungszone, Freiwilligentauschbörse oder Energiestadt-Label zutage. «Fusionen waren interessanterweise kein Thema», sagt Gemeindeschreiberin Susi Campadelli. Auch mit Oberentfelden wolle man sich nicht zusammenschliessen, um kein Gegengewicht zu Aarau zu schaffen. Dies beschloss der Unterentfelder Gemeinderat Anfang letzter Amtsperiode. Die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit könne «zu einem späteren Zeitpunkt durchaus zu einer Fusion führen», heisst es im Positionspapier vom Mai 2006.

Ein solches verabschiedeten die Gemeinderäte von Suhr, Buchs und Gränichen im März 2009. Inhalt: Dorfkulturen lassen sich nicht fusionieren, Aufgabenerfüllungen punktuell schon - «wenn sie bürgernah, professionell und kostengünstig bleiben», führt Heinz Baur (Buchs) aus. In seiner Gemeinde hat eine einwohnerrätliche Kommission inzwischen befunden: Für Fusionsverhandlungen besteht kein Zeitdruck. (trö)

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