Fusion:Emotionen sind erwünscht
Fusion zwischen Döttingen und Klingnau: Emotionen sind erwünscht

Ein happiges Menü vorgesetzt bekamen die Döttingerinnen und Döttinger an der Informationsveranstaltung zu den Fusionsabklärungen mit Klingnau. Zu diskutieren gab es aber wenig.

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Emotionen sind erwünscht

Emotionen sind erwünscht

Peter Jacobi

Den Menüplan gab Gemeindeammann Peter Hirt zu Beginn der Veranstaltung vom Dienstagabend in der Turnhalle Bogen bekannt. Von der Vorgeschichte über die Herausforderungen der nächsten Jahre, die möglichen Lösungswege, die Beweggründe und Erwartungen und den Ablauf bis zum heutigen Stand sollte gesprochen werden. Dazu kamen die Beurteilung des Spezialisten und eine abschliessende Diskussion.

Zu den Herausforderungen äusserten sich die einzelnen Ressortchefs im Gemeinderat. Professionelle und bedürfnisgerechte Dienstleistungen im Sozialwesen, gemeinsame Orts- und Nutzungsplanung in Bau und Verkehr wären möglich. Schulanlagen und Infrastrukturen ausnützen sowie Betreuungsangebote besser gestalten sind Argumente in der Bildung.

Noch offen ist die Entwicklung bei den Finanzen. Döttingen liegt bei den Aktiensteuereinnahmen vorne, Klingnau bei den natürlichen Personen. Ueli Bugmann: «Es gilt vor allem, die Steuern von natürlichen Personen stabil zu halten.» Beim Wald wäre mit der grösseren Fläche mehr Spielraum für eine Durchmischung vorhanden.

Die Beweggründe eines Zusammenschlusses fasste Peter Hirt zusammen: Fakten sind eine wirtschaftliche und räumliche Entwicklung, mehr Wettbewerbsfähigkeit, finanzielle Stabilität und schliesslich eine Vereinfachung der Verwaltung.

Strukturen von gestern

Aus der Sicht des Profis ging Jean Claude Kleiner von der Firma OBT das Thema an: «Wir wollen noch immer mit den Strukturen von gestern die Probleme von morgen lösen, obwohl wir schon heute überfordert sind.» Er legte eine Reihe von Thesen vor, die für eine grössere Gemeinde sprechen.

Sie kann die Siedlungsentwicklung planen, in der Schule optimale Klassengrössen schaffen. Sie kann altersgerechte Wohnformen schaffen. Da das Interesse für öffentliche Ämter abnimmt, kann eine grössere Gemeinde die Behörden kompetent bestellen und mit ihrem politischen Gewicht eigene Interessen anmelden.

Geografisch, demografisch, kulturell, wirtschaftlich und finanziell passen die Gemeinden zusammen. Beide haben ein gesundes qualitatives Wachstum. Fazit für Jean Claude Kleiner: Alles spricht für ein Ja zu einer vertieften Prüfung.

Ammann Peter Hirt erklärte den weiteren Zeitplan. An der Winter-Gemeindeversammlung wird erst einmal über den Projektkredit und das Verhandlungsmandat abgestimmt. Von 2011 bis 2013 werden Fusionsvertrag und Gemeindeordnung erarbeitet, dann folgen nacheinander der Grundsatzentscheid der Gemeinderäte, der Entscheid an der Gemeindeversammlung, eine Urnenabstimmung sowie die Zustimmung des Grossen Rates. Start der neuen Gemeinde könnte 2014 sein.

Emotionen nicht vergessen

In der Diskussion vermisste ein Bürger die menschliche Seite. Der Mensch gehöre in den Mittelpunkt, solle die Fusion erfolgreich sein. Ihm fehle eine überzeugte, positive Einstellung des Gemeinderates, meinte ein weiterer Teilnehmer. «Hier muss der Gemeinderat noch einen Zacken zulegen.» Auf die Frage einer jungen Teilnehmerin, wie die Chancen für die Fusion stehen, antwortete Peter Hirt: «60 Prozent» – und korrigierte dann auf 50 zu 50.