Lehrermangel
Für Schweizer kommen deutsche Lehrer ins Freiamt

Kurz vor den Sommerferien gibts Entwarnung in Sachen Lehrermangel: Im Freiamt sind noch zehn Stellen offen. Nur bei den Logopädinnen sieht die Lage besonders prekär aus.

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Deutsche Lehrer für Freiämter Schüler

Deutsche Lehrer für Freiämter Schüler

HO

Fabian Muster

Der im April sich abzeichnende Lehrerengpass hat sich zum Teil entschärft: Im Freiamt sind wenige Tage vor den Sommerferien laut der neuesten Ausgabe des Amtsblatts noch zehn Stellen über alle Schulstufen offen. Augenfällig: Auf Oberstufenniveau, wo der Mangel laut dem Aargauischen Lehrerverband am grössten sein soll, werden im Freiamt gar keine Lehrer mehr gesucht.

Logopädinnen sind überlastet

Gravierend ist der Mangel allerdings bei den Logopädinnen. «Seit mehr als einem halben Jahr suchen wir per Stelleninserat eine Logopädin für zehn Wochenstunden – bisher ist keine einzige Bewerbung eingegangen», sagt Brigitte Werder von der Schule Buttwil.

Die Schulleiterin wurde bereits von sich aus aktiv. Alle angefragten Personen seien aber jetzt schon überlastet. «Ich getraue mich fast nicht mehr anzurufen», gesteht Werder. Man habe auch bereits zusammen mit Aristau ein Inserat aufgegeben, um ein höheres und damit attraktiveres Pensum anbieten zu können.

Ebenfalls ohne Erfolg. Falls sich niemand finden lässt, müssten die Stunden wegfallen. «Für die Logopädie braucht es Fachkräfte, normale Lehrer können da nicht einspringen.» Werder erklärt sich den ausgetrockneten Markt so: «Vor allem Frauen üben den Beruf aus, die aber oft nur Teilzeit arbeiten oder kleine Pensen übernehmen.»

Schweizer zogen sich zurück

Bei den Heilpädagogen scheint der Engpass weniger akzentuiert. Die Stiftung St.Josefsheim in Bremgarten, die Behinderte betreut, hatte im Amtsblatt noch zwei Stellen ausgeschrieben. «Die Vollzeitstelle ist besetzt, obwohl der Vertrag noch nicht unterschrieben ist», sagt Stiftungsleiter Manfred Breitschmid. Auch bei der Teilzeitstelle sei man mit einem Interessenten auf gutem Wege.

Die Primarschulen in Sins und in Islisberg suchen je noch einen Klassenlehrer. «Die Schweizer Bewerbungen von Wiedereinsteigerinnen um die 60 waren meist unsorgfältig und unprofessionell», sagt der Sinser Primarschulleiter Roman Wettstein. Auf seinem Pult liegen nur noch «vier bis fünf gute Bewerbungen aus dem süddeutschen Raum». Die Gespräche stehen noch aus. Die Anstellung deutscher Lehrpersonen wäre aber für Wettstein «ein Novum».

Auch Brigitte Schwendimann, Schulleiterin der Primarschule Islisberg, wird wohl einen Lehrer aus dem nördlichen Nachbarland einstellen müssen. Alle Schweizer haben ihre Bewerbungen zurückgezogen, die deutschen Bewerber sind übrig geblieben. «Diese werden uns aber vom Kanton Zürich streitig gemacht, wo noch viele und besser bezahlte Stellen offen sind.» Was passiert, wenn die Stelle nicht besetzt werden kann? «Szenarien gibts schon, aber noch ist es nicht so weit.»

Erfreulicher zeigt sich die Lage zurzeit noch auf Stufe Kindergarten. «Bei uns gibts noch keine Probleme», sagt Schulleiterin Irma Waeckerlin vom Kindergarten Wohlen. Sie sucht eine Stellvertretung ab Mitte November für einen Mutterschaftsurlaub. Seit dem Inserat von letzter Woche seien bereits einige Dossiers eingegangen.

«Davon bin ich positiv überrascht.» Schwieriger ists aber auch hier für Kleinpensen: Der Sinser Schulleiter Wettstein hat jeweils am Freitagmorgen 3,5 Wochenstunden zu vergeben. «Es gab bisher keine Bewerbungen, das Herumtelefonieren hat auch nichts gebracht.» Er hofft nun, die Lehrperson über das private Netzwerk der Kindergärtnerinnen zu finden.

In Boswil werden aufs neue Schuljahr ein vollamtlicher Heilpädagoge und eine Logopädin für zehn Wochenstunden gesucht. Von der Schulleitung war bis gestern niemand erreichbar.

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