Auto nach Wahl für Bundesräte
Für die neuen Bundesräte gibts ein Auto nach Wahl

Sechs Kandidierende kämpfen um zwei Sitze im Bundesrat. Den beiden Siegern winkt nicht nur viel Ehre und Prestige: Sie dürfen als Sonderpreis auch gleich ein neues Auto auswählen.

Merken
Drucken
Teilen
Bundesrat Maurer

Bundesrat Maurer

Aargauer Zeitung

Niklaus Ramseyer

Am 22. September kämpfen sie um einen spannenden Job mit einem Salär von rund 450 000 Franken im Jahr, um die höchsten politischen Weihen in unserem Land, um Prestige und mannigfaltige Privilegien.

Kurzum: Sie wollen Bundesrat oder Bundesrätin werden. Was die sechs Aspirierenden auf zwei freie Sitze im erlauchten, siebenköpfigen Gremium hingegen meist nicht wissen: Den Gewählten winkt als Sonderpreis ein nagelneues Auto ihrer freien Wahl.

Persönliches Dienstfahrzeug

Es sind dies nicht die grossen, schwarzen Mercedes-Limousinen mit Chauffeur, die als «Repräsentationsfahrzeuge» allen Mitgliedern der Landesregierung ohnehin ständig zur Verfügung stehen. Nein: Es ist zusätzlich zur offiziellen Staatskarosse ein «persönliches Dienstfahrzeug», das die Bundesräte oder ihre Angehörigen auch selber pilotieren können. Dieses zweite Auto können die neu Gewählten frei wählen. Das Reglement sagt nur, es müsse ein «Neufahrzeug» und «eine handelsübliche Limousine der Oberklasse» sein.

Preislimiten gibt es nicht. Die 120 000 Franken, welche der Luxus-Geländewagen der damaligen CVP-Bundesrätin Ruth Metzler kostete, gab im Bundesrat indes einiges zu reden.

Inzwischen seien die Regierungsmitglieder automässig bescheidener geworden, berichten die zuständigen Stellen. Im persönlichen Dienstfahrzeug-Park der momentanen Landesregierung herrschen kleinere Audis A4 oder A6 vor. Bundespräsidentin Doris Leuthard fährt einen BMW 330D Cabrio. Aussenministerin Micheline Calmy-Rey begnügt sich mit einem VW Golf.

Verschiedene der sechs Kandidierenden staunten auf Nachfrage nach ihrem «Traumauto» nicht schlecht über einen solchen Sonderpreis für die Gewinner der Bundesratswahlen. Sie habe gar kein eigenes Auto, teilt etwa die Zürcher SP-Kandidatin Jacqueline Fehr mit. Sie brauche nur «zu Transportzwecken» mal ein Mobility-Auto, wo sie auch Mitglied sei. Mobility fährt auch ihre SP-Konkurrentin Simonetta Sommaruga (BE). Fehr zweifelt, ob sie als Bundesrätin überhaupt ein eigenes Auto brauche. Wie Sommaruga, so würde auch Fehr ein Auto «mit einem möglichst kleinen ökologischen Fussabdruck (hybrid oder so) wählen». Als bundesrätliches Dienstfahrzeug käme Mobility «nicht infrage», teilt der Bund mit.

Mobility bis Direktionswagen

«Kein Auto» vermeldet auch die grüne Kandidatin Brigit Wyss aus Solothurn. Sie könne jedoch jederzeit den Renault Modus ihres Partners brauchen. Und auch sie würde ein möglichst umweltschonendes Auto wählen. Dasselbe verspricht Karin Keller-Sutter (FDP, SG), die derzeit einen Mini Cooper fährt.

Schon etwas solidere, motorisierte Teile bevorzugen die beiden Männer im Kandidaten-Sextett: Jean-François Rime (SVP, FR), der als Sägermeister halt etwa mal in entlegenen Wäldern Holz messen und einkaufen muss, fährt einen Range Rover. Und Konzernchef Johann Niklaus Schneider-Ammann hat einen durchaus magistralen Direktionswagen vom Typ Audi A8.

Beide Kandidaten möchten ihre Autos auch als Bundesrat weiterhin behalten. Das ist durchaus möglich: FDP-Innenminister Pascal Couchepin etwa hatte kurz vor seiner Wahl noch einen neuen 5er-BMW gekauft und wollte nicht wechseln. Der Bund kaufte ihm das Auto ab, baute ihm ein Telefon ein - und stellte ihm den BMW als Dienstfahrzeug gleich wieder zur Verfügung. Ueli Maurer fährt auch immer noch den privaten Subaru, den er schon als Nationalrat hatte.

Merz nimmt seinen Merc mit

Tritt ein Bundesrat zurück, kann er sein Dienstfahrzeug zum «Schätzungspreis nach Eurotax» übernehmen. FDP-Bundesrat Hans-Rudolf Merz will dies mit seinem Mercedes E 320 4Matic jetzt machen. SP-Bundesrat Moritz Leuenberger hingegen überlegt sich, ob er seinen Bundes-Audi vom Typ A4 Avant quattro nicht dem Bund überlassen und für sein neues Leben als Rentner ein kleineres ökologischeres Auto kaufen solle.