Bundesfeier

«Für uns ist das eine Provokation»

Thema Heimat:  Vor zwei Jahren sprach Silvia Blocher in Weiningen über Unabhängigkeit, Verbundenheit und Alleingang. jk

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Thema Heimat: Vor zwei Jahren sprach Silvia Blocher in Weiningen über Unabhängigkeit, Verbundenheit und Alleingang. jk

Dass ein «rechts-rechts aussen» Politiker an der Weininger Bundesfeier sprechen wird, sieht die SP als «grobe Zumutung». Die SVP versteht die Aufregung nicht.

Bettina Hamilton-Irvine

Eine fröhliche Feier für das ganze Dorf soll er sein, der 1.-August-Anlass. Doch in Weiningen ziehen im Vorfeld der Bundesfeier dunkle Wolken am Himmel auf. Der Grund: Die SVP Weiningen, welche das Fest traditionellerweise organisiert, hat Alfred Heer, den Parteipräsidenten der Zürcher SVP, als Redner eingeladen. Nun regt sich Widerstand aus SP-Kreisen.

SP will keinen «SVP-Parteianlass»

Heer sei ein «Rechts-aussen-Scharfmacher», empört sich der Präsident der SP Kreisgemeinde Weiningen, Max Bürgis, und als Redner eine «grobe Zumutung» für alle Nicht-SVPler. «Die Rede sollte alle in der Gemeinde ansprechen», fordert Bürgis. «Ein Redner wie Heer, der politisch rechts-rechts aussen steht, tut das aber nicht.»

Mit Heer als Redner verkomme das 1.-August-Fest zu einem SVP-Parteianlass: «Für uns ist das eine richtige Provokation.» Normalerweise würde die Auswahl des Redners unter den Parteipräsidenten besprochen. Dass die SVP diesmal im Vorfeld jedoch nichts gesagt habe, habe ihn sehr verwundert, so Bürgis.

«Ich habe kein Problem damit»

Der Parteipräsident der SVP Weiningen, Roland Wüthrich, sieht keinen Grund zur Aufregung. «Landauf, landab werden Reden von Politikern gehalten - kunterbunt gemischt aus allen Parteien. Nun haben wir halt jemanden aus der SVP. Ich habe kein Problem damit», so Wüthrich. Ausserdem werde der Redner vom Gemeinderat abgesegnet. Für einen von der SP organisierten Redner wäre er ebenfalls offen, so der SVP-Präsident: «Das würde die Sache beleben.»

Tatsächlich sprach in den letzten zehn Jahren nie ein linker Politiker am Weininger 1.-August-Fest. Nebst Rednern aus dem Forum oder dem Quartierverein stand vor zwei Jahren Christoph Blochers Gattin Silvia am Rednerpult, im Jahr 2005 der SVP-Kantonsratspräsident Hans Peter Frei und im Jahr 2003 Wirtschaftsprofessor und SVP-Mann Hans Geiger.

Doch laut Gemeindepräsident Hanspeter Haug (SVP) stünde es der SP frei, einen Redner zu stellen. Auch Haug steht hinter der diesjährigen Wahl: «Heer ist gewählter Nationalrat - und wenn ein Nationalrat keine Rede mehr halten darf, dann habe ich langsam ein Problem.» Er sei überzeugt, dass Heer seine Sache gut machen werde, so Haug. «Ich finde es etwas anmassend, dass die SP der Gemeinde vorschreiben will, wer sprechen darf.»

Fast wie damals mit Ulrich Schlüer

Dass im Limmattal ein Festredner aus der SVP für rote Köpfe sorgt, ist kein Novum. Im Jahr 2005 sollte SVP-Hardliner Ulrich Schlüer an der 1.-August-Feier in Urdorf sprechen. Doch wenige Tage vor dem Anlass lud Gemeindepräsident Werner Gutknecht den SVP-Nationalrat und Chefredaktor der «Schweizerzeit» wieder aus - mit der Begründung, Schlüer sei zu extrem.

«Mit der Festrede sollen alle Bevölkerungskreise angesprochen werden», erklärte Gutknecht damals: Der Gemeinderat habe Bedenken, dass die Feier als «Plattform für eine ideologisch gefärbte Veranstaltung» missbraucht werden könnte. Im folgenden Jahr kam Schlüer dann doch noch zum Zug: Diesmal ausdrücklich auf Einladung der SVP - womit der Gemeinderat leben konnte. Schlüer erschien tatsächlich. Und forderte in seiner Rede: Einbürgerungen vors Volk.

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