Bettina Nägeli

Obwohl bereits 25 Jahre dazwischen liegen, vermag sich Hans-Rudolf Wyss noch deutlich an sein Amt als Langenthaler Stadtratspräsident erinnern. Einiges habe sich seit 1984 verändert, manches jedoch präsentiere sich auch heute noch genau so wie damals, stellt er bei dem rückwärtsgewandten Blick fest. Zu jener Zeit tagte der Rat noch im Singsaal des Schulhauses Kreuzfeld I.

«Politik nur durch Respekt»

Nicht verändert dagegen hat sich die Art und Weise, wie in jenem Saal - und heute gleichermassen in der Mühle - diskutiert wird. Dies hat sich in der Zwischenzeit gar vielmehr als ein Charakteristikum der Langenthaler Lokalpolitik herausgestellt.

Als Präsident habe er sich immerzu um einen angenehmen Ratsbetrieb bemüht, was ihm bei dem vorherrschenden Klima nicht schwer gemacht worden sei, erzählt Wyss und fügt erklärend hinzu: «In Langenthal herrschte und herrscht der Konsens, dass sich erfolgbringende Politik nur durch sachliche Diskussionen und gegenseitig entgegengebrachten Respekt betreiben lässt.»

Interesse an Politik wecken

Dahingehend beschreibt auch der einstige Staatskundelehrer seine Vorstellung einer funktionierenden konstruktiven Politik, basierend auf den Werten der Lösungsorientiertheit und Sachlichkeit.

Mit dem Ziel, in Langenthal etwas zu bewegen, trat Wyss 1976 den Jungfreisinnigen - Langenthals erster Jungpartei - bei. Auch acht Jahre später, sprich im Jahr seines Stadtratpräsidiums, erhoffte sich der nun für die FDP wirkende Politiker eine Zunahme an Aktivität und Bewegung; weniger jedoch das Parlament selbst anbelangend als vielmehr die Bevölkerung Langenthals: «Ich setzte mir als persönliches Ziel, die Zuschauerplätze im Sitzungssaal zu füllen.»
Das Bild, das sich dem damaligen Ratspräsident allerdings Sitzung für Sitzung bot, zeichnet er als ein tristes, weshalb er jenes von ihm als wichtig eingestuftes Anliegen zum Ende der einjährigen Präsidialzeit als «nicht erreicht» werten musste.

Aktiv, beweglich - auch privat

Hielten sich die Bewegungen auf den Zuschauerplätzen im Sitzungssaal also in Grenzen, so galt das Gegenteilige für den Parlamentsbetrieb: «Obwohl nicht spektakulär politisiert wurde, so hatte ich es mit einem aktiven und wirkungsvollen Parlament zu tun», sagt Wyss. Die Aktivität des damaligen Grossen Gemeinderats zeigte sich in den beiden für Langenthal wichtigen abgeschlossenen Geschäfte der neuen Gemeindeordnung und dem Zonenplan.

Bewegung und Aktivität - ein Verbund, den der heute 67-Jährige nicht nur für Politik und Gesellschaft postulierte, sondern ebenso im Privatleben zu handhaben pflegt. Sport habe er immerzu gebraucht, um das durch Politik - sowohl im Stadt- als auch im Gemeinderat und im Grossen Rat - aber auch im Lehrerberuf anfallende Pensum zu bewältigen, sagt der derzeitige Präsident der Leichathletikvereinigung Langenthal (LVL).

Vom Dorf zur Stadt

Der Einsatz für Sport und berufsbedingt jener für die Bildung lassen sich denn auch als Schwerpunkte auf der gesamthaft 22 Jahre andauernden politischen Laufbahn von Wyss ansiedeln. Exemplarisch nennt der seit 2005 pensionierte Rektor der Berufsfachschule Langenthal den Bau der Sporthalle Hard im Jahre 1981, die Erweiterung des Stadions Hard zwei Jahre später und den Beginn des Aufbaus des Bildungszentrums als für Langenthal unabdingbare Schritte auf dem Weg vom Dorf zur Kleinstadt, die sie heute ist.

Wieder in der Gegenwart anlangend und nun auf das Resultat der vorweg genannten Ereignisse zu sprechen kommend, misst Wyss dem Wohn- und Schulstandort Langenthal eine hohe Qualität bei. Und wie er der hiesigen Lokalpolitik einen unveränderlichen Charakter zuschreibt, sieht Hans-Rudolf Wyss zudem auch das Dörfliche als einen seit jeher kennzeichnenden und auch fortwährenden Bestandteil des Oberaargauer Hauptorts. So sagt er denn auch: «Ein Stück Dorf ist der Stadt Langenthal bis heute geblieben.»