Richtplan

Für das Atomkraftwerk Beznau 3 sollen weniger Waldflächen gerodet werden

Beznau: Links das zu ersetzende Wasserkraftwerk. Rechts der Hybridkühlturm von Beznau 3, hinten die alten AKW.  (Modellbild: axpo)

Beznau: Links das zu ersetzende Wasserkraftwerk. Rechts der Hybridkühlturm von Beznau 3, hinten die alten AKW. (Modellbild: axpo)

Gestützt auf 602 Eingaben hat die Regierung Teile des Richtplans zu Beznau 3 geändert. Für den Bau sind weniger Wälder zu roden. Die Abgeltungen sollen neu im Energiegesetz geregelt werden.

Hans Lüthi

Ein neues Atomkraftwerk mit Laufzeit ab zirka 2022 bis 2082 führt zwangsläufig zu grundsätzlichen Eingaben und zu zahlreichen technischen Forderungen. Obwohl es im Richtplan nicht um die Sicherheit geht, beschäftigen sich viele der 602 Stellungnahmen damit.

Die Allianz «Nein zu neuen AKW» beantragt, die ganze Planung ersatzlos zu streichen, denn sie widerspreche dem Bundesrecht. «Diese Begründung ist nicht nachvollziehbar», schreibt die Regierung dazu in der Botschaft ans Parlament. Zu einem möglichen Standort Beznau wolle der Aargau seine Forderungen für die Rahmenbewilligung frühzeitig stellen, damit die Bundesbehörden Kenntnis davon hätten.

Eckdaten des neuen Kraftwerks

Als neues Kraftwerk ist eine moderne Anlage vom Typ Leichtwasserreaktor durch die Axpo geplant. Die elektrische Leistung beträgt zirka 1450 Megawatt, kann aber je nach Wahl noch um plus/minus 20 Prozent abweichen. Es erzeugt die doppelte Menge Strom, im Vergleich zu Beznau1 und Beznau2 mit je 365 Megawatt elektrischer Leistung.

Um die Erwärmung der Aare zu vermeiden «und damit die Umwelt zu schonen», wird ein Kühlturm verlangt, der aber keine Dampffahne abgeben darf. Gelöst wird das mit einem Hybridkühlturm, denn «für Bauten und Kühlsystem ist eine maximale Höhe von 60 Metern zulässig».

Die Regierung stützt ihre Zustimmung auf die vor vier Jahren vom Parlament genehmigte Strategie Energie Aargau. Darin heisst es, der Aargau unterstütze den Betrieb der drei Kernkraftwerke und «deren Ersatz durch CO-neutrale Anlagen».

Für kleinere Rodungsflächen

Die Planung sieht gigantische Rodungsflächen von 375000 Quadratmetern östlich des Oberwasserkanals vor, befristet auf die Bauzeit. 124000 Quadratmeter Wald sind als permanente Nutzflächen eingeplant. Gemäss Botschaft will die Regierung «die Rodungsfläche für Anlagen während der Bauphase minimieren».

Der Bauherr müsse die Standortgebundenheit solcher Anlagen im Detail nachweisen. Die Waldfläche südlich der Zufahrtsstrasse soll möglichst nicht beansprucht werden, weil sich hier ein Wildtierkorridor von nationaler Bedeutung befindet.

Abgeltungen via Energiegesetz

Während der öffentlichen Auflage von Mitte März bis Mitte Juni haben sich 536 Privatpersonen geäussert, zudem 22 Verbände, 11 Parteien, 19 Gemeinden, 4 deutsche Behörden und 7 Nachbarkantone. Erwähnt in der Vorlage wird ein Eventualantrag der Grünliberalen Partei (GLP) Aargau, der Bau eines Reaktors mit geringerer Energiedichte und Uran-Thorium-Brennstäben würde gegebenenfalls akzeptiert.

Die im Entwurf noch vorgesehenen «Abgeltungen für nachweisbar wesentliche Nachteile» für Gemeinden und Regionen will die Regierung streichen – aber damit nicht etwa fallen lassen. Denn: «Das Energiegesetz bildet eine gute Basis für entsprechende, aus kantonaler Sicht zwingende Forderungen für solche Anlagen.» Im Herbst kommt das Gesetz vors Parlament – aber es ist umstritten wie die Strassengesetze.

Verzichtet wird auf das Verbot einer Flugroute, weil das mit der Planung des künftigen Flugbetriebs in Zürich gelöst werden soll. Die Vorlage behandelt auch den Rückbau der alten Kraftwerke, der nach der Stilllegung «in kürzestmöglicher Frist» geschehen soll. Geregelt ist die Abwärmenutzung für das Fernwärmenetz Refuna, gewünscht wird eine optimale Gestaltung der Freileitungen für die Stromabfuhr im Umfeld der Insel Beznau.

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