Pro von Sportredaktor Marcel Kuchta: «Geben Sie Ihr Geld lieber für den Klub Ihres Vertrauens aus»

Real Madrid gegen Bayern. Ronaldo gegen Robben. Barcelona gegen Juventus. Messi gegen Higuain. Chelsea gegen Paris Saint-Germain. Hazard gegen Draxler. Duelle, die den geneigten Fussball-Fan noch vor 20 Jahren an einem Dienstag- oder Mittwochabend zwingend vor den Fernseher gelockt hätten, sind mittlerweile nicht mehr als plumpe Routine geworden. Nichts gegen Superstars wie Ronaldo, Messi, Neymar und wie sie alle heissen. Aber irgendwann ist genug. Schon seit geraumer Zeit stelle ich nicht nur bei mir einen gewissen «Star-Overkill» fest. So faszinierend es auch sein mag, diesen ausserordentlich talentierten Ballkünstlern zuzuschauen. Mir ist es zu viel geworden. Ich bin übersättigt.

Und jetzt kommt noch die Kunde, dass man auch in der Schweiz in Zukunft dafür zahlen muss, den Champions-League-Zauber zu Hause in der guten Stube geniessen zu dürfen. Selbst wenn dann am Ende noch ein paar Spiele im Free-TV zu sehen sein werden, so werde ich den nicht mehr ausgestrahlten Partien kaum eine Träne nachweinen. Im Gegenteil: Die Chance ist grösser, dass ich bei kleinerem Angebot mal wieder richtig Lust auf eine Dosis Ronaldo oder Messi bekomme. Denn wie heisst es so schön: Weniger ist in diesem Fall mehr.

Aber Geld dafür ausgeben? Niemals! Wieso soll ich für ein durch und durch kommerzialisiertes Produkt wie die Champions League, die sich immer weiter von der Basis entfernt und mit ihren horrenden Prämien dafür sorgt, dass in immer mehr Ländern die Spannung in den nationalen Meisterschaften gegen den Nullpunkt tendiert, auch noch das Portemonnaie zücken? Letztlich sind wir, die verwöhnten Konsumenten, denen nur noch das Beste gut genug ist, mitschuldig an dieser ungesunden Entwicklung.

Das gesparte Geld könnte man weitaus sinnvoller investieren. Wieso besuchen Sie nicht mal wieder den (lokalen) Fussball-Klub Ihres Vertrauens? Oder kaufen sich gleich ein Saisonabonnement? Die Stimmung live im Stadion ist immer noch um ein Vielfaches besser als zu Hause auf dem Sofa. Ronaldo, Messi und Konsorten zaubern auch ohne die Pay-TV-Zuschauer. Aber der Verein, der vor Ihrer Haustüre kickt, der ist auf jede finanzielle Unterstützung angewiesen.

Kontra von Autor Christoph Bopp: «Irgendjemand muss sagen, dass der Event einen Wert hat»

Gemach, Freunde. Vor der Empörung über irgendwelche Abzocker, seien es die überbezahlten Kicker auf dem Rasen, denen wir nicht noch mehr Kohle irgendwohin stopfen wollen; oder seien es geldgierige TV-Bosse, die uns für harmloses Fussballvergnügen blechen lassen wollen; lasst uns die grosse Systemfrage stellen: Wer muss sich rechtfertigen? Wer den Markt spielen lassen will oder wer ihn ausschalten will?

Die Regel des Marktes sagt: Wer gucken will, soll zahlen. Zuerst die ungeliebte Alternative: Stichwort Billag, wir müssen zahlen, wenn wir überhaupt irgendwas gucken wollen. Das Argument ist klar: Warum zahlen für Dinge, die ich nicht sehen will? Das Problem ist dann, dass Verschiedenes gemeint sein kann. Entertainment und Serien nein, Polit- und Diskussionssendungen schon. Das ist das Argument des Service public. Oder: Langweiliges oder gar linkes Polit-Gequatsche will ich nicht, ich will Spass beim Guck. Dieses Problem lässt sich nicht lösen, solange SRF gleichzeitig Quote und Service public liefern soll. Oder – was sich schwer widerlegen lässt – Qualitätsjournalismus kostet und öffentlich-rechtliches Fernsehen ist dafür unverzichtbar.

Also können wir vom Stichwort Billag mal absehen. Und wir schauen dann, ob es hier Markt geben soll oder nicht. Wiederum kaum abstreiten lässt sich, dass Champions League ein Event ist und nicht körperstählender Sport. Die Champions League gibt es, weil wir sie wollen. Oder die Uefa hat sie erfunden, weil die Leute das sehen wollen. Von Europa halten die meisten Leute ohnehin nichts, warum sollten sie dann einen europäischen Fussball-Meister wollen? Eben. Aber einen Champions-League-Sieger wollen sie. Weil vorher eben Bayern München gegen Real Madrid spielt und so weiter.

Und so ist nicht einzusehen, warum hier die Marktregel nicht gelten soll. Da wird kreuz und quer – von den TV-Anstalten zur Uefa, von der Uefa zu den Vereinen, von den Sponsoren und Werbern zu den Vereinen und ... und ... – bezahlt und kassiert. Total vermarktet. Damit auch klar wird, ob diese Summen zu Recht bezahlt werden, das heisst: ob der ganze Event überhaupt einen Wert hat, soll der End-Konsument sein Wort sprechen. Der Wert eines Produkts ist sein Preis. Und das heisst: Genau so viel wie jemand bereit ist, dafür zu zahlen.