Verwaltungsintern wird das Projekt «New Guisan» genannt. Mit den Zeiten des Zweiter-Weltkrieg-Generals Henri Guisan hat es wenig gemeinsam. Am Guisanplatz in Bern entsteht derzeit das teuerste Sicherheitszentrum der Schweiz. Früher wurde das Areal militärisch genutzt, künftig dient es den zivilen Sicherheitsbehörden. Kostenpunkt: 420 Millionen Franken.

Den Hauptbau des dreiteiligen Gebäudekomplexes mit 4700 Arbeitsplätzen werden die Bundesanwaltschaft und das Bundesamt für Polizei Fedpol beziehen. Die Behörden werden ihre bisherigen Standorte in der Hauptstadt aufgeben, um die Zusammenarbeit zu verstärken. Ihre aktuell wichtigste Aufgabe ist es, Terroranschläge zu verhindern. Am Guisanplatz sollen ab 2019 die Ermittlungen koordiniert und Terrorverdächtige verhört werden.

Verantwortlich für das Bauprojekt ist das Bundesamt für Bauten und Logistik. Es ist dessen grösstes Projekt seit seiner Gründung 1999. Auch die Planungsprobleme nehmen ein besonderes Ausmass an. Schuld ist das Sicherheitskonzept. Es ist schon vor der Inbetriebnahme veraltet, da es aus der Zeit vor den Terroranschlägen in Paris 2015 stammt.

Inzwischen haben die Bundesanwaltschaft und die Bundespolizei den Kollegen vom Bundesamt für Bauten mitgeteilt, unter den geplanten Sicherheitsvorkehrungen könnten sie einen Umzug ins neue Zentrum nicht verantworten. Für die Aufrüstung sind deshalb zwei Millionen Franken vorgesehen. Mit dem Geld werden ein Überwachungssystem und Zutrittskontrollen eingerichtet.

Die Planungskorrektur hat in der Bundesverwaltung Verwirrung ausgelöst. Nicht geklärt ist, ob der Bund bei der Stadt Bern für das Millionenprojekt ein neues Baugesuch einreichen muss. Dafür spricht, dass das neue Sicherheitskonzept Auswirkungen auf das Quartier hat.

Ursprünglich war vorgesehen, dass das Areal während der Arbeitszeiten öffentlich zugänglich sein soll. Neu soll es durchgehend abgeriegelt werden. In einem neuen Baubewilligungsverfahren könnten Anwohner Einsprache erheben.

Vor einem halben Jahr ging das Bundesamt für Bauten selber davon aus, dass es dieses langwierige Verfahren neu starten müsse. Mittlerweile möchte es sich nicht mehr festlegen. Man prüfe derzeit, ob ein neues Gesuch nötig sei, heisst es auf Anfrage.

Es könnte noch teurer werden

Die Eidgenössische Finanzkontrolle wundert sich über die Vorgänge. Die Kontrollbehörde hat in einem Prüfbericht festgestellt, dass ein neues Bewilligungsverfahren nötig sei. Auf Anfrage äussert sich nun Michel Huissoud, Direktor der Finanzkontrolle. Er warnt: «Eine Verzögerung der Umsetzung der Massnahmen kann zu Bauablaufstörungen, Provisorien und Übergangslösungen und damit zu Mehrkosten führen.»

Die Planung hinkt schon heute dem Zeitplan hinterher. Als der Bundesrat das Geschäft 2012 dem Parlament vorstellte, kündigte er den Beginn der Inbetriebnahme auf Ende 2017 an. Derzeit ist ein Gebäude fertiggestellt, beim zweiten steht der Rohbau und beim dritten sind die Innenausbauarbeiten im Gang. Die aktuelle Prognose für den Bezug ist das Jahr 2019.

Die fehlende Baubewilligung ist nicht die einzige Unregelmässigkeit, welche die Finanzkontrolle beim Prestigeprojekt feststellt. Gleichzeitig kritisiert sie, dass das Verwaltungszentrum zu wenig ausgelastet sei. Der Hauptbau böte Platz für 1700 Arbeitsplätze; vorgesehen sind aber nur 1200.

Die Bundespolizei und die Bundesanwaltschaft beanspruchen für sich das grösste Gebäude, tolerieren neben sich aber keine weiteren Mieter. Sie argumentieren, dass sie aus Sicherheitsgründen mehr Platz als eine durchschnittliche Verwaltungsstelle bräuchten.

Dennoch hält die Finanzkontrolle dem Bundesamt für Bauten vor, es lasse den Sicherheitsbehörden zu viel Spielraum bei der Belegung. Derzeit sei eine Reserve berechnet, die wirtschaftlich nicht vertretbar sei.