Natur- und Heimatschutzkommission
Frustration, vier Rücktritte und dann das Aus

Nach dem Rücktritt von vier von sechs Mitgliedern der Weininger Natur- und Heimatschutzkommission kam der Gemeinderat unter Zugzwang. Nun entschloss man sich, die Kommission ersatzlos aufzuheben.

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Heimatschutz

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Limmattaler Zeitung

Bettina Hamilton-Irvine

«Wir hatten einfach das Gefühl, dass die Kommission in der Gemeinde nicht mehr richtig ernst genommen worden ist», sagt Jürg Erismann, langjähriger Präsident der Natur- und Heimatschutzkommission Weiningen. Und präzisiert: Man hätte sich mehr Unterstützung vom Gemeinderat gewünscht. Dieser hätte es oftmals verpasst, sich für Anliegen der Kommission einzusetzen und habe den Sinn und Zweck der Natur- und Heimatschutzkommission nicht genügend wahrgenommen und anerkannt.

Vier Rücktritte seit Januar

Aus diesem Grund hat Erismann vor Kurzem seinen Rücktritt per Ende Jahr bekannt gegeben - zusammen mit zwei weiteren der sechs Kommissionsmitglieder. Ein viertes Mitglied ist bereits im Januar zurückgetreten. Somit kam der Gemeinderat unter Zugzwang: Sollen neue Mitglieder rekrutiert werden? Man entschloss sich dagegen - und gab stattdessen die ersatzlose Aufhebung der Kommission per Ende 2009 bekannt.

Laut Gemeindepräsident Hanspeter Haug, der selber auch als Vertreter des Gemeinderats Mitglied der Kommission war, ist es schon seit einiger Zeit zunehmend schwieriger, als Gemeinde im Bereich des Natur- und Heimatschutzes Einfluss zu nehmen. Denn dazu würden oft die rechtlichen Grundlagen fehlen. Doch nicht nur das: Oftmals sei es auch eine finanzielle Frage.

Wolle die Kommission zum Beispiel eine alte Liegenschaft schützen, die nicht unter Heimatschutz stehe, so willige ein Eigentümer normalerweise nur ein, wenn jemand dafür bezahle.
«Teilweise verstehe ich die Frustration»

Man befinde sich hier in einem nicht ganz einfach zu überwindenden Spannungsfeld, so Haug, da die Handlungsfreiheit von Behörden zunehmend eingeschränkt werde: «Teilweise verstehe ich also die Frustration der Natur- und Heimatschutzkommission.» Trotzdem sehe man sich angesichts der Rücktritte gezwungen, die Kommission aufzulösen. Ob sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgebaut werde, könne er noch nicht sagen: «Vor der nächsten Legislatur wird diesbezüglich sicher nichts geschehen. Nachher schauen wir weiter.»

Erismann, der seit rund 15 Jahren Mitglied der Natur- und Heimatschutzkommission ist, gibt zu, dass der Gemeinde in einigen Bereichen die Hände gebunden sind: «Es gibt gewisse Sachzwänge, die vom Kanton definiert werden und über welche die Gemeinde nicht entscheiden kann.» Trotzdem sei vonseiten des Gemeinderats auch dann nichts geschehen, wenn die Möglichkeit bestanden hätte, so Erismann. «Wir haben unsere Aufgaben wahrgenommen und den Gemeinderat informiert, wenn es nötig war, aber es wurden praktisch nie entsprechende Schritte eingeleitet.»

Es sei ihm bewusst, dass die Aufgaben einer Gemeinde immer schwieriger würden, sagt Erismann - trotzdem sei er auch der Ansicht, dass dem Natur- und Heimatschutz eine höhere Priorität hätte beigemessen werden müssen. «Es kommt auf das Engagement und den Stellenwert an, den eine politische Behörde dem Thema beimisst.»

Wie Erismann ausführt, sei es nun wichtig, dass zumindest die jährliche Amphibienschutzaktion, für die bisher die Natur- und Heimatschutzkommission zuständig war, weitergeführt werde: «Hier muss die Gemeinde eine Lösung finden.»

Amphibienaktion wird weitergeführt

Gemäss Gemeindepräsident Haug wird die Weiterführung des Amphibienschutzes nicht infrage gestellt. Die jeweils im Frühjahr stattfindende Aktion fällt ab sofort in die Verantwortlichkeit der Abteilung Werke und Liegenschaften. Die zurücktretenden Kommissionsmitglieder haben sich ausserdem bereit erklärt, weiterhin bei der Organisation mitzuhelfen.