Petra Schär ist neue Gemeindeammann in Staffelbach
«Früher war ich ein Politikbanause»

Petra Schär ist neu Gemeindeammann in Staffelbach. Noch keine Woche ist sie im Amt, und schon in der ganzen Schweiz bekannt: Sie trat während des Staffelbacher Weihnachtsbaum-Werfens in SF «Schweiz Aktuell» auf.

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«Früher war ich ein Politikbanause»

«Früher war ich ein Politikbanause»

Barbara Vogt

Dabei habe sie ganz schön improvisieren müssen, sagt die 41-jährige Frau Gemeindeammann und lacht. «Zum Nervössein blieb mir keine Zeit.» Veranstaltungen wie das Weihnachtsbaum-Werfen ) seien wichtig für die Gemeinde, findet Schär. «Das schweisst zusammen.»

Petra Schär ist auch schlagfertig. Als der Fernsehjournalist die «Gemeindepräsidentin» fragte, wieso gleich drei Frauen im Gemeinderat seien, antwortete sie keck: «Bei uns ist es Tradition, dass die Männer arbeiten und die Frauen Zeit haben zum Politisieren.»

Im Ernst, vor einem «Zickenkrieg» am Gemeinderatstisch fürchtet sie sich nicht, im Gegenteil: «Drei Frauen bringen eine weichere Linie in die Behörde.» Auch gehe es bei ihrer Aufgabe nicht darum, die Behördemitglieder, sondern das Wohl der Gemeinde in den Vordergrund zu stellen. «Wir packen die Dinge gemeinsam an.»

Infrastruktur «à jour»

Grosse Ziele für die kommenden vier Jahre setzt sich die Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern bewusst nicht. Vorerst will sie die «fünf verschiedenen Personen» im Gemeinderat zusammenführen und sie in ihre Ressorts einführen. «Danach gehts an die Zielsetzungen.»

Es gibt genügend wichtige Projekte, die den parteilosen Gemeindeammann auf Trab halten. Da ist einerseits die Erschliessung und Überbauung des Oberfelds, andererseits der Umbau der Alten Turnhalle. Ein grosser Brocken sei die neue Kanalisation auf dem «Chalt», das Projekt kommt höchstwahrscheinlich an die Frühlingsgmeind. «Wir halten unsere Infrastruktur à jour, denn unser Motto lautet: ‹Weniger Kosten, dank stetem Unterhalt›.» Vor der Zusammenarbeit im Suhrental verschliesst sie sich nicht, «aber dies muss wachsen».

Am meistens wünscht sich der Gemeindeammann eine engagierte Bevölkerung, Menschen, die mit «offenen Augen und Ohren» durchs Dorf gehen. Jedermann dürfe seine Meinung äussern und Ideen einbringen, ohne dass er sich gleich für eine Mitarbeit in einem Gremium verpflichten müsse, findet Petra Schär. Der Gemeinderat habe Ideen, aber es gebe noch viele andere Interessen aus der Bevölkerung, die für die Entwicklung der Gemeinde positiv seien.

Eine Mitarbeit in einer Kommission sei aber auch spannend, wie sie aus eigener Erfahrung weiss. Sie hat beim Aufbau der Jugend- und Kulturkommission Staffelbach vor drei Jahren mitgeholfen. Heute ist diese eine feste Institution in der Gemeinde. Das war nicht immer so: «Zu Beginn zeigte sich die Bevölkerung eher skeptisch.»

Da sie bereits vier Jahre Gemeinderatserfahrung hinter sich hat, kennt Petra Schär die meisten Geschäfte. «Bei meinen früheren Kollegen herrschte nie eine ‹Gartenhägli-Mentalität›. Wir hatten stets Einsicht in alle Ressorts.» Auch ihre jetzigen Bereiche scheinen Petra Schär zu liegen: Verwaltung, Finanzen, Steuern, Polizei, Ortsbürger. In der Reformierten Kirchgemeinde Zofingen leitet sie die Bereiche Finanzen und Administration. «Ich bin quasi die Gemeindeschreiberin der Kirche.»

Vor Freude Rakete gezündet

Einen «Freudengump» habe sie gemacht, als sie im letzten Herbst als erste Frau zum Gemeindeammann Staffelbachs gewählt worden sei. Sogleich ging sie mit ihrer Familie in den Garten und zündete eine Rakete. Dabei sei sie früher ein Politikbanause gewesen, erzählt sie und lacht. «Wenn mir etwas nicht passte, wäffelte ich höchstens.» Dann liess sie sich auf die Äste hinaus und sammelte Unterschriften für die Gemeinderatswahlen. Bei den Wahlen bekommt sie jeweils Unterstützung vom einheimischen Einwohnerring. Eine klare Parteilinie hat Petra Schär nicht. «Im Gemeinderat geht es um die Sache, nicht um die Partei.»

Petra Schär zog aus dem Luzernischen nach Staffelbach, auch der Liebe wegen, verrät sie. Heute lebt sie mit ihrer Familie und zwei Hunden mitten im Dorf. Wenn sie den Koller hat, setzt sie sich auf eines ihrer Pferde oder geht allein in den Wald. «In der Natur kann ich am besten abschalten.»